Interview mit Aktionärsschützerin Daniela Bergdolt

Expertin über VW: „Klagen haben durchaus Aussicht auf Erfolg“

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München - Der Abgasskandal kostet auch den Freistaat Geld: Wegen des Kursverlustes der VW-Aktie will Bayern nun Geld vom Autobauer. Die Chancen stehen nicht schlecht.

Der Freistaat Bayern verklagt VW auf Schadenersatz wegen Kursverlusten der VW-Aktie. Hat so eine Klage Aussicht auf Erfolg?

Nach allem was wir bisher wissen, hat die Klage durchaus Aussicht auf Erfolg. Volkswagen hat die Öffentlichkeit viel zu spät über die Manipulationen informiert. Es lagen bereits viele Wochen und Monate Informationen vor, die zu einer Veröffentlichung hätten führen müssen.

Konkret geht es um 700 000 Euro Schadenersatz, die der Freistaat für erlittene Verluste haben möchte.

Es geht hier um den Kursdifferenzschaden. Damit ist die Differenz gemeint zwischen dem gezahlten Kaufpreis der Aktie und dem Preis, der sich bei pflichtgemäßem Publizitätsverhalten der Volkswagen AG ergeben hätte. Entscheidend ist also, wer wann wie viele Aktien gekauft hat. Da kann es durchaus zu solchen Summen kommen.

Wäre das Land Bayern mit der Klage erfolgreich, würden davon auch andere VW-Aktionäre profitieren?

Daniela Bergdolt ist Vizepräsidentin der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW).

Leider nein. Das deutsche Recht kennt keine Sammelklage. Jeder VW-Aktionär muss selbst Klage einreichen. Hier läuft die Frist, bis zu der Aktionäre ihre Klage bei Gericht einreichen können, am 18. September ab. Theoretisch gibt es zwar noch eine Möglichkeit, und zwar den Beitritt zu einem Kapitalmusterverfahren; das ist im Fall von VW aber nicht möglich, weil das Kapitalmusterverfahren eröffnet sein muss – und das wird erst nach dem 18. September der Fall sein. Jeder, der zu seinem Recht kommen will, muss also klagen.

Warum läuft die Frist am 18. September ab?

Am 18. September 2015 wurde erstmals in den USA ein Bescheid veröffentlicht, der besagt, dass es Unregelmäßigkeiten bei Volkswagen gibt. Die Frist beträgt ein Jahr und endet entsprechend am 18. September 2016.

Empfehlen Sie auch Kleinanlegern zu klagen?

Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir hier Ansprüche durchsetzen können. Deswegen: Ja, ich rate zur Klage. Anleger sollten zudem prüfen, ob sie eine Rechtsschutzversicherung haben. Sie übernimmt möglicherweise die Kosten.

Wie reicht man als VW-Aktionär Klage ein?

Anleger sollten sich an einen Anwalt wenden, der auf Bank- und Kapitalmarktrecht spezialisiert ist – und ihm schnellstmöglich die Unterlagen vorlegen. Dann wird eine entsprechende Klageschrift gefertigt, die am Landgericht Braunschweig eingereicht wird.

Gab es in der Vergangenheit bereits ähnlicher Klagen gegen Unternehmen wegen dem Verstoß gegen Mitteilungspflichten?

Ja, viele. Es gab zum Beispiel Klagen gegen die Telekom aufgrund von Prospektfehlern oder gegen die Hypo Real Estate. Leider dauern die Verfahren – entgegen aller Hoffnungen – immer sehr lange. Auch VW-Aktionäre müssen viel Geduld mitbringen.

Interview: Manuela Dollinger

Rubriklistenbild: © dpa

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