Kommentar von Martin Prem

VW-Skandal weitet sich aus: Scheinheilig

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München - Vor allem deutsche Politiker sorgten dafür, dass die Autohersteller bei Umweltmessungen sauberer abschneiden konnten, als sie in Wirklichkeit waren. Ein Kommentar von Martin Prem. 

Gäbe es einen Preis für Scheinheiligkeit zu gewinnen, hätten jetzt viele in Politik und Öffentlichkeit gute Chancen, ihn zu holen. Vor allem all jene, die sich nun scheinbar verwundert die Augen reiben und überrascht tun, weil Volkswagen – oh weh – noch mehr getrickst hat als gedacht. Nicht nur bei den Stickoxiden, sondern auch bei den Kohlendioxid-Messungen. Dabei kam da gar nichts überraschend.

Seit Beginn der Affäre geht es um eine zentrale Frage: Haben Autohersteller sich mit den unrealistischen und damit manipulativen Abgasmessverfahren zufriedengegeben, die die Politik ihnen bereitwillig zur Verfügung gestellt hat? Oder haben sie darüber hinaus getrickst? Der Unterschied zwischen beiden Varianten ist nicht groß. Es waren vor allem deutsche Politiker, die dafür gesorgt haben, dass die Autohersteller bei Umweltmessungen sauberer abschneiden konnten, als sie in Wirklichkeit waren. Das hat mit einer irrigen Vorstellung vieler Parlamentarier zu tun: Dass man, wenn man möglichst viele gut vernetzte Interessensgruppen bedient, auch dem Gemeinwohl am meisten nützt. Das ist natürlich absurd. Sie haben nicht einmal denen genützt, für deren Interessen sie sich einspannen ließen. Denen fällt die gesamte Trickserei – ob noch geduldet oder schon illegal – jetzt bleischwer auf die Füße.

Bleibt für alle, die in Lobbyarbeit viel Geld investieren, nur eine Erkenntnis: Leicht beeinflussbare oder gar käufliche Politiker sind all das Geld, das man in sie investiert, auf lange Sicht nicht wert. Und das ist eine gute Nachricht.

Rubriklistenbild: © fkn

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