Volkswagen-Konzern
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Heute hat Volkswagen mit der Auslieferung seines vollelektrischen SUV ID.4 begonnen, das dazugehörige Werbevideo wirft Fragen auf.

ID.4-Kampagne

Nach Rassismus-Skandal bei VW: Autobauer leistet sich erneut heftigen Werbe-Fauxpas

  • vonJonas Raab
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Volkswagens rassistischer Werbeclip aus dem vergangenen Jahr gerät nur langsam in Vergessenheit. Jetzt sind die Wolfsburger erneut ins Werbe-Fettnäpfchen gesprungen.

Wolfsburg - Hat man bei Volkswagen gar nichts gelernt? Schaut man sich den neuen Werbeclip, mit dem die Wolfsburger Autobauer ihren neuen vollelektrischen SUV ID.4 seit gestern im Netz präsentieren, muss man diese Frage stellen. Nach dem handfesten Rassismus-Skandal des vergangenen Jahres tappt VW schon wieder ins Fettnäpfchen - heute schon das zweite Mal in diesem Jahr.

Der neue Werbeclip von DDB Voltage, einer exklusiven Volkswagenagentur, spielt größtenteils in einer Bar. Er zeigt viele Menschen, darunter einen Schwarzen Mann. Werbecast und Setting sind dabei mindestens unglücklich gewählt - vor allem, weil der Schauplatz im Clip unschöne Erinnerungen hervorruft.

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Rassismus-Vorwürfe gegen VW im Internet: Neuer Werbeclip weckt Erinnerungen

Volkswagen, Werbespot, eine Person of Color? War da nicht was? Im vergangenen Mai schaffte es VW, sich mit einem nur zehn Sekunden langen Werbeclip zur Golf 8-Einführung den Ruf als weltoffenes Unternehmen nachhaltig zu versauen. Das Video, in dem ein Schwarzer Mann von einer riesigen, weißen Hand durchs Bild und schließlich in eine Bar namens Petit Colon geschnipst wird, sorgte im Internet für blankes Entsetzen.

Besonders pikant: Als der Schriftzug „Der neue Golf“ gegen Ende des Clips eingeblendet wird, leuchten zuerst die Buchstaben auf, die das N-Wort ergeben. VW löschte den Clip damals zwar schnell wieder und entschuldigte sich öffentlich. Konsequenzen blieben aber aus. Der nächste Fauxpas liess nicht lange auf sich warten. Wieder ging es um ein Video, wieder um ewig gestrige Weltansichten.

Fragwürdiger VW-Werbeclip: „Wir sind sehr stolz auf die Storyline“

In den USA warben die Wolfsburger Anfang des Jahres auf dem ultrarechten Portal Breitbart für ihren neuen Stromer ID.3. Die umstrittene Webseite ist in der Vergangenheit wiederholt durch die Verbreitung von Verschwörungsideologien, Stimmungsmache sowie Falschmeldungen aufgefallen, beispielsweise mit manipulierten Daten zum Klimawandel. Gegenüber Merkur.de distanzierte sich der Wolfsburger Autobauer von der Werbeschaltung auf Breitbart. Man bedauere die Ausspielung, sagte eine VW-Sprecherin damals.

Das alles scheint heute schon wieder verdrängt zu sein. Recht viel vorsichtiger ist man in Wolfsburg nämlich nicht geworden. Allein die Tatsache, dass der neue Werbespot in einer Bar spielt, schafft indirekt eine Verbindung zum rassistischen Instagram-Clip aus dem vergangenen Jahr und ruft unweigerlich den Petit-Colon-Clip ins Gedächtnis. Scheinbar aber nicht bei allen: „Wir sind auch sehr stolz auf die Storyline des Hauptfilms“, sagt Stephen Kimpel, Business Director E-Mobilität bei DDB Voltage.

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