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Eklat um VW-Chef Diess: Betriebsratschefin positioniert sich in Schlagabtausch - „Schädlich“

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Von: Patricia Huber

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Herbert Diess, Vorsitzender des Vorstands der Volkswagen AG.
VW-Chef Herbert Diess steht beim Konflikt in der Konzernspitze im Mittelpunkt. © Carsten Koall/picture alliance/dpa

Bei VW kriselt es in der Unternehmensspitze. Jetzt hat Betriebsratschefin Daniela Cavallo einige offene Fragen geklärt und eindeutig klargemacht, dass sie nicht auf der Suche nach Konflikten ist.

Wolfsburg - Der Konflikt in der Führungsriege bei VW scheint kein Ende zu nehmen. Nachdem Konzernchef Herbert Diess vor wenigen Wochen einen Abbau von 30.000 Stellen in den Raum geworfen hat, wurden Betriebsrat und Mitarbeiter unruhig. Dann hat der Aufsichtsrat dem Vorstandsvorsitzenden sogar sein Misstrauen ausgesprochen - ein extremer Schritt.

Die Stimmung zwischen Diess und der Betriebsratschefin Cavallo ist besonders angespannt. Immer wieder übt Cavallo harsche Kritik an der Art und Weise von Diess‘ Kommunikation. In einem ausführlichen Interview mit dem Handelsblatt stellt sie nun ihre Ansichten dar.

VW: Cavallo sieht „absolut keinen Anlass“ zum Stellenabbau

Cavallo erklärt, dass „Gerüchte über einen Abbau von 30.000 Stellen schädlich für die Stimmung in der Belegschaft“ seien. Bisher habe Diess jedoch auch noch keinen Antrag auf Stellenabbau vorgelegt. Außerdem sehe die Betriebsratsvorsitzende dazu „absolut keinen Anlass“.

Auch zu den Gerüchten über Standortschließungen positioniert sich Cavallo klar: „Standortschließungen wird es mit uns nicht geben.“ Den Spekulationen über eine mangelnde Produktivität des Wolfsburger Werks macht die 46-Jährige auch den Garaus: „Immer wieder wird über unser Stammwerk erzählt, es sei nicht produktiv genug. Aber das stimmt nicht. Wolfsburg liegt bei den Fabrikkosten im innerdeutschen VW-Konzernvergleich an erster Stelle, über alle Marken hinweg. So etwas wird in der Diskussion immer gerne vergessen.“

Aber wie steht es denn nun um das Verhältnis zu Diess? Cavallo betont, dass das Misstrauensvotum nicht zu einer Eskalation der angespannten Situation geführt hätte. „Wir haben von unserer Seite keinen Konflikt gesucht“, stellt sie klar. Sie macht jedoch auch unmissverständlich deutlich, dass sie die „Kommunikationsform von Herrn Diess“ nicht teile.

VW: Ist Diess noch der richtige Mann an der Spitze? Cavallo weicht aus

„Wenn es Themen gibt, bei denen er der Auffassung ist, dass wir abweichen müssen von unseren bisherigen Verabredungen, dann gehört das auf den Tisch, und zwar zuallererst dort, wo wir auch zusammenkommen. Wir zwei haben einen Regelaustausch, wir haben Gremien. Dort hat er kein Wort über einen Stellenabbau verloren“, kritisiert Cavallo.

Der Frage, ob Diess noch der richtige Mann an der Spitze sei, weicht die Mitarbeitervertreterin geschickt aus. Sie erklärt: „Ich glaube schon, dass Herbert Diess die richtige Unternehmensstrategie formuliert hat. Jetzt aber geht es darum, sie umzusetzen. Und da merken wir schon, dass gewisse Themenfelder markenübergreifend nicht reibungsfrei umgesetzt werden. Das ist zunächst mal nicht außergewöhnlich. Aber wenn man von einem Konzern ausgeht mit vielen Marken, dann ist es Aufgabe des Konzernvorstands, dafür zu sorgen, dass die Marken besser zusammenarbeiten.“ (ph)

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