VW-Zentrale in Wolfsburg: Der Autobauer hat wegen eines Aprilscherzes heftigen Ärger.
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VW-Zentrale in Wolfsburg: Der Autobauer hat wegen eines Aprilscherzes jetzt heftigen Ärger.

Marketing-Stunt geht nach hinten los

VW: Angebliche Umbenennung in Voltswagen war April-Scherz – Doch jetzt droht Ärger mit der US-Börsenaufsicht

  • Thomas Schmidtutz
    vonThomas Schmidtutz
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  • Markus Hofstetter
    Markus Hofstetter
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VW hat mit einer Pressemitteilung zu einer angeblich geplanten Namensänderung in den USA weltweit für Aufmerksamkeit gesorgt. Jetzt rudert der Konzern eilig zurück.

Update vom 31. März, 09.41 Uhr - Die angeblich geplante Umbenennung von Volkswagen in „Voltswagen“ in den USA war offenbar nur ein Marketing-Gag. „Die Umbenennung sollte eine Ankündigung im Geiste des Aprilscherz sein“, erklärte VW am Dienstag. Ein VW-Sprecher am Hauptsitz des deutschen Herstellers in Wolfsburg nannte es zuvor „eine interessante Idee“ der Marketingabteilung.

VW hatte am Montag auf seinem US-Presseportal für kurze Zeit eine Pressemitteilung zur angeblichen Umbenennung in „Voltswagen of America“ veröffentlicht. Weltweit hatten Medien darüber berichtet, darunter auch Merkur.de.

Auf Anfrage mehrerer Medien hatte der Konzern die angebliche Umbenennung in den USA bestätigt. Man wolle damit die Bedeutung von E-Autos für die Zukunft des Konzerns unterstreichen, hieß es. Jetzt rudert der Konzern zurück.

VW-Aprilscherz: Heftige Kritik von US-Medien wegen „Voltswagen of America“

In den USA sorgte das Vorgehen des Konzerns für teils heftige Kritik. Eine Sprecherin der weltgrößten Nachrichten-Agentur AP sagte, solche Aktionen würden gutem Journalismus und dem Wohl der Allgemeinheit schaden. Zuvor hatte VW auf eine Anfrage von AP erklärt, die veröffentlichte Pressemitteilung zur Umbenennung in Voltswagen sei echt.

Die Tageszeitung „USA Today“ reagierte ebenfalls empört. Ein Reporter habe ausdrücklich danach gefragt, ob die Umbenennung möglicherweise ein Scherz sei, was VW verneint habe. Damit habe der Konzern Journalisten manipuliert, nur um eine Marketing-Kampagne für ein neues Elektrofahrzeug zu fahren, hieß es.

VW-Aprilscherz: US-Journalist sieht Desinformation

USA Today Reporter Nathan Bomey schrieb auf Twitter, dies sei kein Scherz gewesen, sondern „Täuschung“. In den USA gebe es ohnehin ein Problem mit Desinformation. „Jetzt sind Sie ein Teil davon“, schrieb er mit Blick auf Volkswagen in den USA.

Auch Marketing-Profis zeigten sich entsetzt. Bei Konzernen wie VW stehe zu viel auf dem Spiel, um darüber Witze zu machen, sagte der Strategiechef des New Yorker Marketingspezialisten R/GA Tom Morton der Nachrichtenagentur Bloomberg. Für die Konzerne sei der Umbau Richtung E-Mobilität die größte Herausforderung. „Darüber zu scherzen, untergräbt ihr Engagement“.

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VW-Aprilscherz: Schlimmstenfalls droht Ärger mit der US-Börsenaufsicht

Der Aprilscherz ließ zwischenzeitlich sogar den Aktienkurs von VW ansteigen. Damit könnte den Wolfsburger womöglich sogar Ärger mit den US-Behörden drohen. Die US-Börsenaufsicht SEC gilt als besonders streng und könnte den Marketing-Stunt der Wolfsburger nun unter die Lupe nehmen.

VW hat mit seinen Werbeaktionen zuletzt mehrfach danebengelegen. Erst Anfang des Jahres war der Konzern etwa wegen Werbung auf dem ultrarechten US-Portal Breitbart in die Kritik geraten. Die umstrittene Webseite war in der Vergangenheit wiederholt durch die Verbreitung von Verschwörungsideologien, Stimmungsmache sowie Falschmeldungen aufgefallen. Im vergangenen Jahr hatte VW zudem einen Shitstorm für einen Werbeclip zur Einführung des Golf 8 kassiert. In dem Video wird ein dunkelhäutiger Mann von einer riesigen, weißen Hand durchs Bild geschnippst. Das hatte den Wolfsburgern den Vorwurf des Rassismus eingetragen.

Rebranding: Volkswagen will sich in den USA umbenennen - und damit ein Zeichen setzen

Erstmeldungung vom 30. März, 09.27 Uhr - Volkswagen bastelt in den USA an seinem Image. Die Nachrichtenseiten von US Today und CNBC berichten von einem Dokument, dass der Autohersteller am 29. März versehentlich auf seiner US-Presseplattform veröffentlicht hat. Eigentlich sollte die Mitteilung erst am 29. April ins Netz gestellt werden. Volkswagen hat den Fehler schnell bereinigt, aber die Medienvertreter hatten dennoch genug Zeit, es herunterzuladen. Das Unternehmen selbst kommentierte den Inhalt des geleaktes Dokuments zunächst nicht.

Volkswagen-Rebranding in den USA: Buchstaben-Tausch

Demnach kündigt der Konzern eine Namensänderung an. Aus „Volkswagen of America“ wird ab dem 1. Mai „Voltswagen of America“. Damit soll wohl an Volt angeknüpft werden, die Einheit für die elektrische Spannung. An dem Schriftzug Voltswagen sollen in Zukunft alle elektrifizierten Modelle, die in den USA verkauft werden, zu erkennen sein. Mit dem Rebranding wird auch die Farbe des Logos verändert. Voltswagen arbeitet mit einer helleren Variante des Markenblaus.

Die Änderung ist ein klares Statement des Konzerns für sein grüne Engagement. Mit der Umbenennung will Volkwagen ein „öffentliches Bekenntnis des Unternehmens zu einer zukunftsweisenden Investition in die E-Mobilität“ geben, zitiert CNBC aus dem Dokument.

Volkswagen-Rebranding in den USA: bei Autos mit Verbrennungsmotoren bleibt alles beim Alten

Bei Volkswagen selbst bleibt alles beim Alten. Um „Elemente des Volkswagen-Erbes zu bewahren, wird bei Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren die dunkelblaue Farbe des VW-Logos behalten,“ heißt es in dem Dokument.

Auch organisatorisch wirkt sich die Namensänderung nicht aus. „Voltswagen of America“ wird eine operative Einheit der „Volkswagen Group of America“ sein.

Volkswagen-Rebranding in den USA: auf dem Weg zum E-Autokonzern

Die Umbenennung in Voltswagen ist ein weiterer Schritt auf dem Weg zum E-Autokonzern. Mit aller Macht wollen die Wolfsburger Tesla Paroli bieten. Während der „VW Power Days“ Anfang März hatte der Konzern bereits angekündigt, bis Ende des Jahrzehnts die Elektroauto-Verkäufe signifikant zu steigern. Bis 2030 sollen 70 Prozent der verkauften Autos in Europa von E-Motoren angetrieben werden. Zuvor strebte man 35 Prozent an. In den USA und China sind die Ziele etwas verhaltener. Innerhalb von neun Jahren soll der Anteil der Elektro-Autos in diesen beiden Märkten bei 50 Prozent liegen.

Ein Teil der Strategie ist auch der Bau von sechs Gigafabriken in Europa, die bis 2030 jährlich Batteriezellen mit einem Energiegehalt von 240 Gigawattstunden. (GWh) produzieren können. Salzgitter und Skellefteå in Nordschweden stehen bereits als Standorte fest. Die weiteren vier Standorte sind noch offen. Im Gespräch ist unter anderem ein Standort bei Seat in Spanien.

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