VW-Affäre: Ermittlungen gegen Hartz

- Wolfsburg/Stuttgart - Volkswagen kommt nicht zur Ruhe: In der VW-Affäre geriet nun auch der ehemalige Personalvorstand Peter Hartz ins Visier von Untreue-Ermittlungen. Zudem zeichnet sich einem Pressebericht zufolge ein akuter Streit um Aufsichtsratschef Ferdinand Piech ab. Mehrere Mitglieder des Gremiums wollten versuchen, ihn auf der außerordentlichen Sitzung zum Porsche-Einstieg am Montag aus dem Amt zu drängen, schrieb die "Financial Times Deutschland".

Grund sei vor allem seine Beteiligung an Porsche. Der Sportwagenbauer teilte mit, der Einstieg bei VW mit knapp 20 Prozent sei so gut wie in trockenen Tüchern. Das Kartellamt gab grünes Licht.

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig leitete gegen Hartz ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Untreue ein und durchsuchte am Freitag auch seine Arbeitsräume bei VW. Dabei sei Beweismaterial sichergestellt worden.

Die Überprüfung der Zeugenaussagen von Hartz habe Anhaltspunkte dafür erbracht, dass er unter anderem Kenntnis von einem möglichen Spesenbetrug gehabt und diesen gebilligt oder unterstützt haben könnte, berichtete die Staatsanwaltschaft weiter. In der vergangenen Woche hatte die Behörde nach einer sechsstündigen Vernehmung von Hartz noch mitgeteilt, dass kein Anfangsverdacht gegen den Anfang Juli zurückgetretenen Arbeitsdirektor bestehe. Die Staatsanwaltschaft hat nun nach eigenen Angaben Anzeichen dafür gefunden, dass er bei seiner Vernehmung nicht die Wahrheit gesagt haben könnte.

Ein VW-Sprecher bekräftigte den festen Willen zur Aufklärung aller Vorwürfe in der Affäre. Vorstandschef Bernd Pischetsrieder habe "mehrfach betont, dass alle Hintergründe der Affäre ohne Rücksicht auf Personen und Positionen aufgeklärt werden".

Die "FTD" berichtete, fünf der zehn Mitglieder der Kapitalseite im 20-köpfigen Aufsichtsrat könnten sich gegen den früheren VW-Chef Piech stellen. Als Quelle wurden ein Mitglied des Aufsichtsrates und eine Person aus dem Umfeld des Gremiums genannt. Den kritisch eingestellten Aufsichtsräten werde mit einem Porsche-Einstieg die Machtfülle Piechs zu groß. Die Familien Pi½ch und Porsche halten die Stimmrechte bei dem Stuttgarter Autobauer, zudem ist Piech Eigentümer einer VW-Vertriebsfirma. Einem "Putsch" gegen Piech werden jedoch kaum Chancen eingeräumt.

Der VW-Aufsichtsrat trifft sich am Montag, um über die geplante Übernahme eines Anteils von knapp 20 Prozent durch Porsche zu sprechen. Porsche will zwei Sitze im Aufsichtsrat. Es wird spekuliert, auch Porsche-Chef Wendelin Wiedeking wolle in das VWAufsichtsgremium einziehen.

Nach Informationen der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX hält Porsche auch einen Plan in der Hinterhand, um die Bedenken gegen Piech zu zerstreuen. Demnach könnte der 68-Jährige sein Mandat bis 2007 bei VW erfüllen und den Chefposten im VW-Aufsichtsrat dann an Wiedeking übergeben, war aus dem Umfeld des Stuttgarter Sportwagenbauers zu hören. VW und Porsche wollten sich zu den Berichten nicht äußern. Vertreter von Porsche werden bei der Aufsichtsratssitzung nicht dabei sein, hieß es in Stuttgart.

Porsche teilte unterdessen mit, nach dem Kauf von 10,26 Prozent der VW-Stammaktien habe man sich inzwischen weitere 8,27 Prozent gesichert. Noch im Oktober werde die Transaktion abgeschlossen. Mit 18,53 wird Porsche größter VW-Aktionär vor dem Land Niedersachsen, das 18,2 Prozent hält. Das Kartellamt habe den Einstieg gebilligt.

Porsche habe sich auch gegen einen steigenden Kurs der VW-Stammaktie abgesichert und könne weitere 3,4 Prozent über den Markt erwerben, hieß es weiter. Ein Sprecher sagte dazu, es sei noch offen, ob und wie viele Aktien Porsche davon kaufen werden. Die Beteiligung von Porsche an VW werde jedoch nicht die Schwelle erreichen, bei der das Unternehmen ein öffentliche Angebot zur Übernahme von Volkswagen abgeben müsste. Dies wären 25 Prozent.

Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU), der das Land im VW-Aufsichtsrat vertritt, sagte der "Süddeutschen Zeitung", es gehe darum, künftig die Interessen von VW zu wahren. "So muss man zum Beispiel deutlich machen, dass Verträge zwischen VW und Porsche wie Verträge zwischen Dritten gehandhabt werden, um eben auch für Kooperationen mit anderen Automobilherstellern ein interessanter Partner zu bleiben", sagte Wulff.

Zu Piech äußerte sich Wulff nur indirekt. Der Corporate Governance Kodex müsse auch bei VW eingehalten werden. Dies gelte unter anderem bei der Vermeidung von Interessenskollisionen. Wulff schloss aus, dass das Land zusammen mit Porsche ein Übernahmeangebot für VW vorlegen könnte. "Das ist vollkommen ausgeschlossen. Alle Aktionäre bei Volkswagen sind gleich wichtig." Es müsse verhindert werden, dass es einen dominierenden Aktionär gebe.

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