VW-Affäre: Größerer Beschuldigten-Kreis möglich

- Braunschweig/Wolfsburg - In der Korruptionsaffäre beim VW-Konzern hält die Staatsanwaltschaft eine Ausweitung des Beschuldigten-Kreises für "nicht unwahrscheinlich". Das sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Braunschweig am Donnerstag der dpa. Dies sei ein "Rückschluss" aus den komplexen Vorgängen in der Affäre, an denen jeweils mehrere Personen beteiligt gewesen seien. Nun werde untersucht, ob sich aus "Handlungen" ein Anfangsverdacht auf Straftaten ergebe. Indizien dafür gebe es bislang nicht.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt bisher gegen Ex-SkodaPersonalchef Helmuth Schuster und den früheren VW-Personalmanager Klaus-Joachim Gebauer wegen des Verdachts auf Betrug und Untreue. Sie sollen VW-Gelder mit Hilfe eines Geflechts von mindestens zehn Tarnfirmen in acht Ländern auf eigene Konten umgeleitet haben. Auch Schmiergeld soll gezahlt worden sein. Zudem sollen Betriebsräte mit "Lustreisen" und Besuchen im Rotlichtmilieu begünstigt und damit auf Unternehmenslinie gebracht worden sein. Gegen den früheren VWBetriebsratschef Klaus Volkert ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts auf Untreue. Anlass ist eine Indien-Reise Volkerts.

Der VW-Aufsichtsratsvorsitzende Ferdinand Piech hatte dem Magazin "Stern" gesagt, das Netz der Tarnfirmen sei "größer und komplizierter als gedacht". Konzernchef Bernd Pischetsrieder hatte zudem "50 oder 60" Personen genannt, die im Zusammenhang mit der Affäre aufgetaucht seien. "Anscheinend" sei der Kreis der nicht zum Unternehmen gehörenden Beteiligten größer als erwartet. Der Sprecher der Staatsanwaltschaft bekräftigte am Donnerstag, Beteiligte seien nicht zwangsläufig Beschuldigte.

Unterdessen wurden neue Einzelheiten über die umstrittene IndienReise Volkerts bekannt. Nach einem Bericht der "Wolfsburger Nachrichten" soll die Reise Anfang 2004 bei VW mit 165 000 Euro abgerechnet worden sein. Die Staatsanwaltschaft wollte diese Summe nicht bestätigen. Der Behördensprecher bekräftigte, VW habe für die Reise eine sechsstellige Summe gezahlt. Es werde überprüft, ob der finanzielle Aufwand mit dem Geschäftszweck vereinbar war.

Dem Bericht zufolge führte die Reise für fünf Tage auf die Inselgruppe der Andamanen. Mit Volkert seien Schuster und Gebauer unterwegs gewesen. Sie seien von drei Frauen begleitet worden, darunter der Geschäftsführerin der Prager Firma F-Bel, die zum Firmengeflecht in der VW-Affäre zählt. "Offenbar" habe es zudem noch mindestens eine weitere Indien-Reise gegeben - im Januar 2003 nach Goa.

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