VW-Affäre: Justiz prüft Ermittlungen im Ausland

- Wolfsburg - In der Korruptionsaffäre beim VW-Konzern prüfen Staatsanwaltschaft und Landeskriminalamt (LKA) die Ausweitung der Ermittlungen auf andere europäische und außereuropäische Länder. Es sei "nicht unwahrscheinlich", dass um Rechtshilfe ersucht werden müsse, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Braunschweig, Klaus Ziehe, am Donnerstag der dpa. Ob beim LKA Niedersachsen eine Sonderkommission eingerichtet werde, sei noch nicht entschieden.

Hauptpersonen der Affäre sind derzeit der frühere Skoda-Personalchef Helmuth Schuster und ein früherer Mitarbeiter Schusters, der in der VW-Personalabteilung für die Beziehungen zum Betriebsrat zuständig war. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen die beiden Männer wegen des Verdachts auf Betrug und Untreue. Sie sollen Gelder, die eigentlich VW oder der tschechischen Tochter Skoda zustanden, über ein "Firmengeflecht" auf eigene Konten umgeleitet haben. Außerdem soll Schuster Schmiergeld von Zulieferern verlangt haben.Unterdessen gibt es neue Vorwürfe gegen VW-Personalvorstand Peter Hartz. Die "Financial Times Deutschland" berichtete, Hartz habe die "klare Anweisung" gegeben, dem Betriebsrat unter anderem für Dienstreisen ein Budget zur Verfügung zu stellen, dessen Verwendung nicht kontrolliert wurde. Ein VW-Sprecher in Wolfsburg sagte dazu, dies gehöre zu den Sachverhalten, die derzeit von Wirtschaftsprüfern untersucht würden. Einzelheiten nannte er nicht.Wie bereits seit längerem geplant, soll Hartz die Zuständigkeit für Regierungsbeziehungen innerhalb des Vorstandes an VW-Chef Bernd Pischetsrieder abgeben. Ein VW-Sprecher bestätigte einen Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Entsprechende Pläne im Zuge der Neuordnung der Konzern- und Markenfunktionen gebe es bereits seit etwa einem halben Jahr. Die Pläne hätten nichts mit der "derzeitigen Diskussion" zu tun.Der stellvertretende Vorsitzende des Anti-Korruptionsvereins TRANSPARENCY INTERNATIONAL in Deutschland, Peter von Blomberg, sagte der dpa, die besondere Mitbestimmung bei VW mache das Unternehmen möglicherweise anfälliger für Korruption. Die Macht der Gewerkschaften sei bei VW im Vergleich zu anderen Automobilunternehmen größer. "Wenn ich vor der Aufgabe stünde - wenn dieser Skandal aufgeklärt ist - nach den strukturellen Rahmenbedingungen für Korruptionsrisiken zu fragen, dann wäre diese besondere Struktur bei VW ein Prüfpunkt."

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