VW-Affäre: Prüfer bestätigen Unregelmäßgkeiten von Managern

- Wolfsburg - Der direkte finanzielle Schaden für Volkswagen durch die Korruptionsaffäre ist überraschend niedrig ausgefallen: Auf 5 Millionen Euro bezifferte der Konzern den "monetären Gesamtschaden" durch die Machenschaften der Ex-Manager Helmuth Schuster und Klaus-Joachim Gebauer. Das geht aus einem Zwischenbericht der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG hervor.

Der Imageschaden durch die Affäre dürfte aber nach Einschätzung von Beobachtern weitaus höher liegen. Als Folge aus dem Skandal hat VW laut Konzernchef Bernd Pischetsrieder die Reiserichtlinien streng verschärft. So dürfe im ganzen Konzern niemand mehr eine Dienstreise ohne Genehmigung buchen. Das gelte auch für ihn selbst.

Pischetsrieder kündigte an, dass Volkswagen externe Rechtsanwälte als Ombudsmänner bestellen wolle. An diese Rechtsanwälte können sich dann Mitarbeiter anonym wenden, wenn sie Missstände im Unternehmen beobachten. "Volkswagen wird nach innen und nach außen ein transparenteres Unternehmen", sagte Pischetsrieder.

Aus dem Prüfungsbericht geht hervor, dass Gebauer allein von 2001 bis 2005 mit 121 Eigenbelegen 939 000 Euro kassiert haben soll. Dazu kämen 127 Belege aus den Jahren davor, die Schuster abgezeichnet habe, hieß es. Insgesamt seien 108 Reisen festgestellt worden, die Gebauer für den Betriebsrat über die Vorstands-Kostenstelle abrechnete. Eine Reise davon war eindeutig privat, acht waren nicht eindeutig zu klären.

Die Freundin des zurückgetretenen Betriebsratschefs Klaus Volkert aus Brasilien habe 399 000 Euro von VW kassiert, stellten die Prüfer fest. Grundlage sei ein Vertrag zwischen Volkert und der TV-Reporterin. Die Zahlungen seien vom zurückgetretenen Personalvorstand Peter Hartz angewiesen worden.

Die 20 Prüfer der KPMG fanden sechs einzelne Themenkreise der Affäre:

In Angola wollte VW ein Werk errichten. Die Tochter Skoda wurde mit den Verhandlungen beauftragt. Dabei überschritt der damalige Skoda-Vorstand Schuster seine Kompetenzen und war "mit hoher Wahrscheinlichkeit auch finanziell beteiligt".In Indien sollte auch ein Montagewerk entstehen. Schuster überschritt laut Bericht auch hier seine Kompetenzen und erweckte bei einer indischen Landesregierung schon vor offiziellen Beschlüssen den Eindruck, das Projekt komme zu Stande. Mit der Hilfe von Tarnfirmen seien Gelder an Schuster geflossen.In Prag sollte ein Autoforum für Skoda errichtet werden. Die Firma F-Bel von Schuster, Gebauer und des damaligen Betriebsratschefs Volkert sollte das Projekt bauen. Gebauer hat über Spesenbelege den Gesellschafteranteil von sich und Volkert finanziert. Schuster soll versucht haben, aus dem Pensionsfonds der VW-Mitarbeiter 100 Millionen Euro anzulegen. Das scheiterte an Kontrollen.Beim Pensionssystem von Skoda hat Schuster an den Kontrollgremien vorbei den Fonds dafür ausgesucht. KPMG fand keine Hinweise auf unberechtigte Zahlungen.

 Bei der Abrechnung des Betriebsrates fehlte ein ordentliches Kontrollsystem. "Unsere Untersuchungen führten zur Feststellung von nicht betrieblich veranlassten Aufwendungen", schreibt KPMG.VW betonte, es handele sich um einen Zwischenbericht, die Untersuchungen gingen weiter. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt in dem Skandal gegen 10 Personen, darunter Schuster, Gebauer, Volkert und Hartz.

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