VW-Affäre: Spekulationen und wenig Fakten

- Wolfsburg - Korruption, Betrug und Untreue heißen die Vorwürfe. Weitverzweigte krumme Geschäfte mit Strohmännern und Tarnfirmen soll es gegeben haben, Lustreisen, Blanko-Schecks und Ausflüge in die Rotlichtszene. In der Affäre, die den VW-Konzern derzeit erschüttert, überschlagen sich Gerüchte und Verdächtigungen. Wie das Drehbuch zu einem mehrteiligen Fernsehthriller lesen sich die Berichte. Der Wahrheitsgehalt ist vielfach jedoch nicht bewiesen.

Staatsanwälte und interne Ermittler stehen bei ihrer Suche nach den Fakten erst am Anfang. Und viele Spekulationen, die jetzt die Runde machen, haben mit dem Kern der Schmiergeldaffäre nichts zu tun.Der Auslöser war Helmuth Schuster. Der Ex-Skoda-Personalchef, der Mitte Juni gehen musste, soll Geld auf private Konten umgeleitet haben, das eigentlich seinem Arbeitgeber zustand. Ein Netz von Tarnfirmen in Indien, Angola, Tschechien, Luxemburg und der Schweiz soll er entwickelt haben und wollte von deren Erfolg - etwa bei der Einfuhr von Autos aus dem VW-Konzern - profitieren. Zulieferer berichteten außerdem von Schmiergeldforderungen.Im Zusammenhang mit diesen Vorwürfen ermittelt die Staatsanwaltschaft Braunschweig gegen Schuster und seinen Mitarbeiter Klaus-Joachim Gebauer wegen des Verdachts auf Betrug und Untreue. Die beiden sind die einzigen Personen in der Affäre, gegen die es ein formelles Ermittlungsverfahren gibt.Der Rechtsanwalt von Gebauer, Wolfgang Kubicki, sieht in den Korruptionsvorwürfen einen Angriff auf VW-Personalvorstand Peter Hartz. Hartz, der in den vergangenen Tagen immer mehr in die Schusslinie geraten war, hat mit den Vorwürfen gegen Schuster - soweit bisher bekannt - nichts zu tun. Schuster war zwar in den 90er-Jahren in Wolfsburg der zweite Mann hinter Hartz, galt als dessen Vordenker und Mitautor des Arbeitsmarktkonzeptes. Doch für eine Verstrickung des mächtigen Personalchefs bei VW in die Schuster-Geschäfte gibt es keine Hinweise.Eine Rolle in der Affäre spielt ferner der langjährige einflussreiche Betriebsratschef Klaus Volkert. Mit seinem Rücktritt vor einer Woche wurde der Schmiergeldskandal um Schuster eigentlich erst zur öffentlichen Affäre. Tage später meldete Volkert sich zu Wort und wies Vorwürfe zurück. Er habe sich nicht bereichert und auch nichts mit Verstrickungen in unsaubere Geschäfte zu tun. Gegen Hartz gab es gestern neue Vorwürfe. Die "Financial Times Deutschland" berichtete, Hartz habe die "klare Anweisung" gegeben, dem Betriebsrat unter anderem für Dienstreisen ein Budget zur Verfügung zu stellen, dessen Verwendung nicht kontrolliert wurde. Dass ein Unternehmen alle gerechtfertigten Kosten des Betriebsrats zu erstatten hat, ist freilich Gesetzeslage. Einzige offizielle und unabhängige Quelle für den Stand der Dinge ist die Staatsanwaltschaft. Zu den Ergebnissen der Recherchen muss sie allerdings weitgehend schweigen.

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