VW-Affäre zieht weite Kreise

- Neu Delhi/Wolfsburg - Die Affäre um Schmiergelder und Spesenbetrug bei Europas größtem Autobauer Volkswagen dreht sich weiter im Kreis. Neben einer neu entflammten Debatte um das VW-Gesetz und weiteren Medienberichten über angeblich von VW bezahlte Ausflüge in die Rotlichtszene ging es am Donnerstag vor allem auch um die Frage: Was und wann wusste VW von den Indien-Aktivitäten des inzwischen entlassenen VW/Skoda-Managers Helmuth Schuster?

Nach einem ARD-Bericht war die VW-Konzernzentrale schon frühzeitig über die Geschäfte des Mitte Juni entlassenen Schuster auf dem Subkontinent informiert. VW habe bereits seit vergangenem Jahr ein Joint Venture mit der indischen Firma "Vashishta Wahan" für den Bau einer Fabrik in Südindien geplant, berichteten das ARD-Hörfunkstudio Südasien und das ARD-Magazin Monitor am Donnerstag. VW habe auch vom Eingang von zwei Millionen Euro indischer Steuergelder für das Projekt auf das "Vashishta Wahan"-Konto gewusst. Das Geld soll inzwischen verschwunden sein.Die Staatsanwaltschaft Braunschweig und das Landeskriminalamt ermitteln wegen Betrugs und Untreue gegen Ex-Skoda-Personalvorstand Schuster und dessen früheren Mitarbeiter Klaus-Joachim Gebauer. Sie sollen unter anderem über ein internationales Geflecht von Tarnfirmen Gelder, die VW oder Skoda zustanden, auf eigene Konten umgeleitet haben. "Dabei spielt auch Indien eine Rolle", sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Es werde auch über ein Rechtshilfeersuchen nachgedacht. "Derzeit kommen wir aber noch ohne aus."VW bestätigte der ARD, "Vashishta Wahan" sei eine Projektgesellschaft, die für Volkswagen - vorbehaltlich einer entsprechenden Vorstandsentscheidung - eine Fabrik in Indien errichten sollte. "Deshalb war Volkswagen die Gesellschaft und die Gesellschaftsstruktur zum Zeitpunkt der Eintragung im Handelsregister grundsätzlich bekannt", erklärte der Wolfsburger Autobauer. VW plante seit längerem ein Engagement in Indien.Unterdessen begann ein neuer Disput über das VW-Gesetz. IG MetallChef Jürgen Peters nannte den Widerstand der EU-Kommission gegen das Gesetz im ZDF-Morgenmagazin "nicht hinnehmbar". Das Regelwerk begrenzt die Stimmrechte der Aktionäre auf 20 Prozent und gibt dem Land überproportionalen Einfluss. Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) forderte dagegen erneut seine Abschaffung. Bei Überführung in eine normale Aktiengesellschaft würde der Kurs von VW steigen, sagte DSW-Hauptgeschäftsführer Ulrich Hocker im ZDF. Das VWGesetz trat vor 45 Jahren, am 21. Juli 1960, in Kraft.Für das deutsche Betriebsratskonzept machte sich der Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, Martin Kannegiesser, stark. Es habe sich in guten und in schlechten Zeiten vollauf bewährt, sagte er dem Bielefelder "Westfalen-Blatt". FDP-Generalsekretär Dirk Niebel forderte angesichts der VW-Affäre in der "Neuen Osnabrücker Zeitung", auch Funktionäre aus den Gewerkschaften sollten zur Offenlegung ihrer Nebeneinkünfte verpflichtet werden.

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