VW-Aufsichtsrat berät Rücktrittsangebot von Hartz

- Wolfsburg - In der Volkswagen-Korruptionsaffäre soll am Mittwoch über das Schicksal von VW-Personalvorstand Peter Hartz entschieden werden. Das Präsidium des Aufsichtsrats berät in Wolfsburg über das Rücktrittsangebot von Hartz und eventuell auch über seine Nachfolge. Über eine Einigung auf einen Kandidaten war am Dienstag zunächst nichts bekannt. Außerdem will der neue VW-Markenchef Wolfgang Bernhard laut Informationen aus Branchenkreisen Details seines milliardenschweren Sparprogramms vorstellen.

Als mögliche Kandidaten für die Hartz-Nachfolge gelten Audi-Personalvorstand Horst Neumann, der Vorstandssprecher der Wolfsburg AG, Klaus Dierkes, und der VW-Verhandlungsführer in der jüngsten Tarifrunde, Josef-Fidelis Senn. Medienberichten zufolge gibt es aber Forderungen, dass der Hartz-Nachfolger von außerhalb des Konzerns kommen soll.Dem Präsidium des Aufsichtsrats gehören VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piech, IG Metall-Chef Jürgen Peters, Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) und der neue Gesamtbetriebsratsvorsitzende Bernd Osterloh an. Osterloh wurde nach VW-Angaben von Dienstag vom Aufsichtsrat in das Präsidium gewählt, wo er die Nachfolge des zurückgetretenen Betriebsratschefs Klaus Volkert antritt.Hartz hatte am vergangenen Freitag die Verantwortung für Unregelmäßigkeiten einzelner Mitarbeiter übernommen. Das Vorschlagsrecht für seine Nachfolge hat die IG Metall. Die Gewerkschaft besteht darauf, dass die Stelle des Konzern-Personalvorstands wieder besetzt wird und der Manager nicht nur im Vorstand der Marke VW angesiedelt wird, wie zum Teil vorgeschlagen.Auch nach Ansicht eines Gewerkschaftsforschers sollte es nach dem Rücktritt von Hartz bei VW weiterhin die Position eines Arbeitsdirektors auf Konzernebene geben. "Die Gewerkschaften und Betriebsräte bei VW haben unter Beweis gestellt, dass die Mitbestimmung bei VW, dass dieses System dazu beiträgt, VW integrationsfähig zu halten", sagte Prof. Jürgen Prott von der Hamburger Universität für Wirtschaft und Politik der dpa.Prott sagte zudem, Bernhard werde bei der Sanierung des Unternehmens auf die Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat und der IG Metall setzen. "Erste Äußerungen Bernhards sprechen dafür, dass er den Sparkurs nicht mit Holzhammer umsetzen wird."VW hat für Mittwoch zu einer telefonischen Analystenkonferenz eingeladen, auf der über die "Planungsrunde 54" informiert werden soll. Dabei geht es um den Fünf-Jahres-Plan des Unternehmens, den der Aufsichtsrat jeweils im November billigt.In einem Interview hatte Bernhard erklärt, ein Leistungssteigerungs- und Sparprogramm über 7 Milliarden Euro sei notwendig, um bis 2008 die von Konzernchef Bernd Pischetsrieder anvisierte Ergebnisverbesserung zu erreichen. Der VW-Chef will das Unternehmensergebnis bis dahin um 4 Milliarden Euro verbessern.Unterdessen kündigte die Staatsanwaltschaft Braunschweig an, sie wolle in der VW-Affäre in Kürze erste Zeugen hören. Möglicherweise werde es noch in dieser Woche eine erste Vernehmung geben, sagte Justizsprecher Klaus Ziehe. Wann und an welche Staaten internationale Rechtshilfeersuchen gestellt werden, lasse sich noch nicht sagen.Die Justiz ermittelt wegen Betrugs und Untreue gegen Ex-Skoda-Personalvorstand Helmuth Schuster und dessen früheren Mitarbeiter Klaus-Joachim Gebauer. Sie sollen ein internationales Geflecht von Tarnfirmen aufgebaut und Gelder, die VW oder Skoda zustanden, auf eigene Konten umgeleitet haben. Volkert hatte eingeräumt, an einer Tarnfirma beteiligt gewesen zu sein.IG-Metall-Chef Peters warnte vor Vorverurteilungen. Es müssten jetzt Beweise auf den Tisch, um die tatsächliche Tragweite der Affäre deutlich zu machen, sagte Peters dem Rundfunksender NDR Info.Unter Druck gerät die Regierung des indischen Bundesstaats und angedachten VW-Produktionsstandorts Andhra Pradesh. Die Zeitung "Asian Age" berichtete, die Regierung habe trotz Warnungen ranghoher Beamter zwei Millionen Euro an eine indische Tarnfirma und nicht an Volkswagen überwiesen. Zuvor habe der inzwischen entlassene VW/Skoda-Manager Schuster gedroht, die angedachte Fabrik statt in Andhra Pradesh im benachbarten Bundesstaat Tamil Nadu bauen zu lassen.

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