VW-Kontrolleure streiten um Piëch: Porsche-Erbe bald nicht mehr Chef

- Frankfurt - Schadenersatzforderungen gegen Ex-Betriebsratschef Klaus Volkert, Vorwürfe gegen den ehemaligen Personalvorstand Peter Hartz und Streit im Aufsichtsrat - die VW-Affäre kocht weiter.

Knapp vier Monate nach Bekanntwerden der ersten Vorwürfe rund um die Personalführung und Begünstigungen für Betriebsräte erwägt der Konzern, von Volkert Schadenersatz zu verlangen. VW-Sprecher Thomas Mickeleit sagte dazu zwar, man wolle den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft nicht vorgreifen. Aber: "Sollte sich ergeben, dass Gelder veruntreut worden sind, werden wir diese zurückholen."

Der "Spiegel" berichtet, auf Volkert kämen Schadenersatzforderungen "in Höhe von mehreren hunderttausend Euro" zu. Die VW-Revision stelle eine Liste jener Reisen zusammen, die Volkert mit einer Geliebten unternommen habe und sich über den Personalmanager Klaus-Joachim Gebauer vom Konzern habe bezahlen lassen.

Unterdessen berichtete "Focus" von einer Eskalation bei der letzten Aufsichtsratssitzung: Der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff habe Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch gebeten, während der Debatte über den Einstieg Porsches bei VW den Raum zu verlassen. Begründet habe er dies mit einem Interessenkonflikt, in den Pië¨ch als Porsche-Anteilseigner geraten sei.

Zur Untermauerung seiner Einschätzung legte Wulff ein Gutachten der Stuttgarter Kanzlei Gleiss Lutz vor, in dem die Juristen zu dem Schluss gekommen seien, dass Piëch nicht abstimmen dürfe, wenn im VW-Aufsichtsrat Entscheidungen über die Zusammenarbeit mit Porsche anstehen. "Es bestehen daher gewichtige Anhaltspunkte, dass Pië¨ch als Aufsichtsratsmitglied von VW abberufen werden könnte", zitierte das Magazin. Pië¨ch sei sogar zur Niederlegung seines Amtes verpflichtet, hieß es weiter. Wulffs Sprecher Matthias Sicker sagte: "Das sind vertrauliche Fragen, zu denen wir uns als verantwortlicher Aktionär nicht äußern."

"Focus" berichtete auch, zwei Sekretärinnen Gebauers hätten bei ihrer Vernehmung durch die Staatsanwaltschaft Braunschweig angegeben, der Ex-Personalvorstand Peter Hartz habe von Begünstigungen für die Betriebsräte gewusst. Seit Anfang Oktober ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen Hartz und ließ auch dessen früheres Büro durchsuchen. Der Sprecher der Staatsanwaltschaft Braunschweig, Klaus Ziehe, machte dazu keine Angaben. "Zum Schutze der Beschuldigten und anderer Betroffener werden wir zum derzeitigen Zeitpunkt zu solchen Dingen keine Stellung nehmen", sagte er.

Laut "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" ist in den kommenden Wochen im Konflikt um die Macht im VW-Kontrollgremium mit einer Eskalation zu rechnen: Es sei nicht geklärt, wer die vom neuen VW-Großaktionär Porsche beanspruchten drei Sitze im Aufsichtsrat räumen soll.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Mehr als zehn Interessenten buhlen um Air Berlin
Für die insolvente Air Berlin gibt oder gab es offenbar deutlich mehr Interessenten als bisher bekannt. „Wir haben mit mehr als zehn Interessenten gesprochen, darunter …
Mehr als zehn Interessenten buhlen um Air Berlin
Analyse: Viele Haushalte mussten mehr heizen
Eschborn (dpa) - Wegen der kühlen Witterung in den Wintermonaten des Jahres 2016 mussten viele Haushalte in Mehrfamilienhäusern laut einer Analyse mehr heizen als im …
Analyse: Viele Haushalte mussten mehr heizen
Stromnetz nicht vorbereitet für Ausbreitung von E-Autos
Der Bund erwartet eine EU-Quote für Elektroautos - doch das ächzende deutsche Stromnetz ist auf eine massenhafte Verbreitung von E-Mobilen gar nicht vorbereitet. Eng …
Stromnetz nicht vorbereitet für Ausbreitung von E-Autos
Dobrindt wirbt für Umtauschprämien der Autobauer
Damit die Luft in Städten besser wird, sollen alte Diesel runter von der Straße - das war ein Ergebnis des Dieselgipfels. Autobauer bieten Prämien für Kunden, die sich …
Dobrindt wirbt für Umtauschprämien der Autobauer

Kommentare