VW-Korruptionsaffäre: Eine Spur führt nach Brasilien

- Frankfurt - Die VW-Korruptionsaffäre zieht immer weitere Kreise und setzt zunehmend auch Personalvorstand Peter Hartz unter Druck. Nach Medienberichten über mögliche Verwicklungen des Top-Managers in die Affäre erklärte der niedersächsische Ministerpräsident und VW-Aufsichtsrat Christan Wulff (CDU) in der ZDF-Sendung "Berlin direkt": "Es kann auch für Peter Hartz und für andere keinen Persilschein geben, sondern wir werden jetzt die Dinge aufbereiten."

Wulff bezog sich damit auf Äußerungen von VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch, der Hartz demonstrativ den Rücken gestärkt und erklärt hatte, das Kontrollgremium habe dem Personalchef keinen Aufhebungsvertrag angeboten und werde dies auch nicht tun. Wulff verlangte eine Aufklärung der Vorgänge. "Und diejenigen, die sich dann etwas vorzuwerfen haben, die müssen dann auch die Konsequenzen ziehen."

VW wollte sich zu den Berichten am Wochenende nicht direkt äußern. Ein Sprecher betonte, dass Konzernchef Bernd Pischetsrieder eine "lückenlose Aufklärung" der Affäre angekündigt und die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG zu Hilfe gerufen habe.

"Bild am Sonntag" berichtete unter Berufung auf ranghohe VW-Mitarbeiter, der entlassene Skoda-Vorstand Helmuth Schuster sei auf Veranlassung der Konzernspitze wochenlang beschattet worden. Dabei seien auch Treffen mit Hartz observiert worden. Die firmeninterne Revision bei VW habe bei ihren Ermittlungen zahlreiche Fälle von überhöhten Spesen- und Reisekostenabrechnungen festgestellt. Darunter seien auch Quittungen, die Hartz abgezeichnet haben soll. Demnach bestehe der Verdacht, dass Hartz von solchen Vorkommnissen gewusst und diese toleriert habe, heißt es.

Auch gegen den zurückgetretenen VW-Betriebsratschef Klaus Volkert wurden neue Vorwürfe laut. Nach übereinstimmenden Berichten von "Spiegel" und "Focus" geht es unter anderem um Kosten, die für Flüge einer mit Volkert persönlich bekannten Brasilianerin angefallen sein sollen.

Dem "Spiegel" zufolge flog die Brasilianerin mehrfach auf Kosten von VW in der ersten Klasse nach Deutschland. Die Abrechnungen dafür seien als Auslagen für Betriebsratsprojekte verrechnet worden. Nach "Focus"-Informationen existierte mit der Frau zudem ein Werbevertrag. Für das Honorar habe sie gearbeitet und regelmäßig Firmen-Videos für VW produziert, zitierte das Magazin die Frau aus Sao Paulo, die eine Liebesaffäre mit Volkert jedoch bestritt.

Der VW-Betriebsrat ging einem Bericht der "Braunschweiger Zeitung" zufolge unterdessen klar auf Distanz zu Volkert und forderte die Aufklärung der Vorwürfe. "Und das gilt für alle, die in dem Verdacht stehen, wie auch immer geartete scheinbare Unregelmäßigkeiten persönlich zu verantworten", heißt es in einer Erklärung des Stellvertreter Volkerts, Bernd Osterloh, an die Mitarbeiter.

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