VW-Spitze: Sanierung von Kernmarke entscheidend

- Wolfsburg - Die Spitze von Volkswagen sieht ohne die grundlegende Sanierung der kriselnden Kernmarke VW die Zukunft des gesamten Konzerns in Gefahr. Ohne Restrukturierung vor allem der deutschen VW-Werke wäre ein langfristig zukunftsfähiger Konzern "undenkbar", sagte Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch am Dienstag in Wolfsburg. Der intern umstrittene Vorstandschef Bernd Pischetsrieder sagte, zu der tief greifenden Restrukturierung der Marke VW gebe es keine Alternative.

"Es sind weiterhin erhebliche Anstrengungen notwendig, um die Zukunft der Volkswagen AG nachhaltig zu sichern", sagte Pischetsrieder, dessen eigene Zukunft bei VW nach Äußerungen von Aufsichtsratschef Ferdinand Piech als unsicher gilt. Piech hatte gesagt, die anstehende Verlängerung des Vertrags von Pischetsrieder sei eine "offene Frage". Pischetsrieder könnte auf eine starke Opposition der Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat stoßen.

Dies war in der Branche als "Demontage" Pischetsrieders durch Piech gewertet worden, da Piech selbst unzufrieden mit seinem Nachfolger sei. Pischetsrieder, seit 2002 VW-Vorstandschef, machte erneut deutlich, dass er nicht an einen Rücktritt denke. Er wolle den Konzern zum Erfolg führen. Der VW-Vorstand lasse sich nicht "auseinander dividieren". Als mögliche Nachfolgekandidaten von Pischetsrieder gelten Audi-Chef Martin Winterkorn und VWMarkenvorstand Wolfgang Bernhard.

Für die ertragsschwache Marke VW hatte die Konzernspitze bereits Mitte Februar ein tief greifendes Sanierungsprogramm angekündigt. Davon könnten in den kommenden drei Jahren rund 20 000 Beschäftigte betroffen sein, hieß es. Schwerpunkte sind geringere Arbeitskosten, volle Auslastung der Werke auch durch eine Kapazitätsanpassung sowie Neuordnung der Komponentenfertigung. Pischetsrieder sagte, die Teilefertigung werde derzeit auf ihre Wettbewerbsfähigkeit hin analysiert. Motoren und Getriebe gehörten aber zur "Kernfertigung" und seien daher nicht Gegenstand der Analyse. Einen Verkauf unrentabler Komponentenbereiche schloss er nicht aus.

Personalvorstand Horst Neumann sagte, es gehe um eine "wettbewerbsfähige Beschäftigung" vor allem beim Flaggschiff VW, das rote Zahlen schreibe. Derzeit liefen Gespräche mit dem Betriebsrat über die Verbesserung der Produktivität und die Arbeitsorganisation.

VW hatte vor zwei Jahren das Milliarden-Sparprogramm "ForMotion" eingeleitet. Finanzvorstand Pötsch sagte, der Konzern hätte 2005 ohne das Programm, das ein Optimierungsvolumen von 3,5 Milliarden Euro hatte, operativ in die roten Zahlen geraten können.

Wie bereits bekannt, stieg das Konzern-Ergebnis vor Steuern 2005 im Vergleich zum Vorjahr dank des Sparprogramms um 58 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro. Der Umsatz erhöhte sich um 7 Prozent auf rund 95,3 Milliarden Euro. An die Aktionäre soll für 2005 eine Dividende von 1,15 Euro je Stammaktie gezahlt werden, nach 1,05 Euro im Vorjahr.

2006 will VW Umsatz und Auslieferungen leicht steigern sowie das operative Ergebnis vor Sondereinflüssen steigern. Mittelfristig will der Konzern sein Ergebnis vor Steuern bis 2008 um vier Milliarden Euro steigern.

2005 lieferte der Konzern weltweit 5,24 Millionen Fahrzeuge an Kunden aus, das waren 3,2 Prozent mehr als im Vorjahr. Im Januar und Februar 2006 waren es 790 000 Fahrzeuge, das ist ein Plus von 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Auf seinen Krisenmärkten USA und China will VW 2006 dank neuer Modelle Fortschritte erzielen. In den USA etwa hatte VW - auch auf Grund der dortigen Preisschlacht - 2005 einen operativen Verlust von 843 Millionen Euro verbucht. Der Konzern werde auch im laufenden Jahr in den USA noch keine schwarzen Zahlen schreiben, hieß es.

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