VW-Tochter Europcar vor Verkauf

- Wolfsburg/Paris - Die VW-Tochter Europcar steht möglicherweise kurz vor einem Verkauf an den französischen Finanzinvestor Eurazeo. Der Finanzinvestor teilte in Paris mit, er führe exklusive Verhandlungen mit Volkswagen über die komplette Übernahme des Autovermieters. VW bestätigte dies.

Die Tageszeitung "Die Welt" berichtete, Eurazeo habe von allen potenziellen Käufern am meisten für Europcar geboten. Noch Ende der Woche könne es zu einem Abschluss kommen.

In Finanzkreisen wurde für Europcar ein Wert von bis zu drei Milliarden Euro genannt. Enthalten wären darin vom Käufer mit zu übernehmende Schulden. Diese könnten sich auf bis zu zwei Drittel der Gesamtsumme belaufen, hieß es. Entsprechend weniger würde VW als Erlös einstreichen. Unbestätigten früheren Medienberichten zufolge waren anfänglich sechs bis sieben Bieter im Rennen um Europcar, darunter der Konkurrent Sixt.

VW fährt derzeit einen harten Sanierungskurs und hatte die Tochter Europcar daher bereits im vergangenen Jahr zur Disposition gestellt. Neben einem Verkauf wurde auch ein Börsengang oder ein strategischer Ausbau geprüft. Seine IT-Tochter Gedas hat VW bereits an die Telekom-Tochter T-Systems verkauft.

Der Autovermieter Europcar ist in Europa die Nummer eins der Branche, in Deutschland rangiert das Unternehmen knapp hinter Sixt. Die VW-Tochter ist mit 2 900 Vermietstationen in mehr als 145 Ländern präsent, weltweit beschäftigt Europcar gut 5 300 Mitarbeiter. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete das Unternehmen, das seine Zentrale in Paris hat, einen Umsatz von 1,28 Milliarden Euro und einen Vorsteuergewinn von 101 Millionen Euro.

Die Arbeitnehmervertreter von Europcar sehen die mögliche Übernahme durch Eurazeo mit gemischten Gefühlen. "Grundsätzlich begrüße ich es, dass ein Investor uns übernimmt, der kein direkter Wettbewerber ist", sagte Europcar-Gesamtbetriebsratchef Bernd Lubig am späten Dienstagabend der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX. Wichtig aber sei es, dass dieser Investor auch langfristig an Europcar interessiert sei.

An diesem Donnerstag wird der Betriebsrat laut Lubig daher in einem Gespräch mit dem Generalbevollmächtigen der Volkswagen AG und Präsidenten der Europcar International, Stefan Jacoby, versuchen, eine Vereinbarung zu treffen, die Eurazeo "langfristig an Europcar bindet, und daran hindert, schnell weiter zu verkaufen".

Hintergrund sind Befürchtungen im Betriebsrat, Eurazeo könne Europcar an die Investmentsparte von Merrill Lynch, die Merrill Lynch Global Private Equity, verkaufen, die wiederum einer der drei Anteilseigner beim Autovermieter Hertz ist. In diesem Fall könnte Europcar ein massiver Stellenabbau drohen, befürchtet der Betriebsrat.

Eurazeo ist nach eigenen Angaben in der Vermietbranche bereits durch eine Beteiligung an Fraikin präsent, einen europaweit führenden Vermieter von Lkws und Industriefahrzeugen.

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