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Auch Lebensmittelsicherheit gehört zum weltweiten Geschäft des TÜV Süd.

Wachsen mit Wind und Sonne: Der Öko-TÜV

München - Der TÜV Süd setzt auf Öko-Siegel: Wind- und Sonnenstrom sowie intelligente Stromnetze gehören zu den Wachstumsfeldern des Prüfkonzerns. Sogar Bio-Wein gibt es inzwischen mit TÜV-Zertifikat.

Technik birgt Gefahren. Als in der Frühzeit der Industrialisierung Dampfmaschinen die Wasserkraft als Kraftquelle ablösten, flogen den Betreibern immer wieder Dampfkessel um die Ohren. Eine tödliche Gefahr – die zur Gründung von Technischen Überwachungsvereinen führte. Seither kümmern sich die Prüfkonzerne um Sicherheit – von Maschinen, Fahrzeugen und auch von Kohle- und Kernkraftwerken.

Die Energiewende schlägt sich auch beim deutschen Branchenprimus, dem TÜV Süd, nieder: „2011 konnten wir unsere Umsätze in der Windenergie und Photovoltaik verdoppeln“, sagte der Vorstandsvorsitzende Axel Stepken. Und: „Wir erwarten im Bereich der erneuerbaren Energie einen weiteren steilen Anstieg.“ Brennende Windräder und nicht löschbare Solaranlagen zeigen nach seiner Auffassung, dass es auch im Bereich der erneuerbaren Energien noch viel für die Sicherheit zu tun gibt.

So zertifiziert das Unternehmen mit Zentrale in München fünf Off-Shore Windparks in der Nordsee. Es hat einen Windatlas für Baden-Württemberg entwickelt, prüft die Sicherheit von Photovoltaik-Modulen. Auch bei der Entwicklung intelligenter Stromnetze, die man für den effizienten Einsatz von Sonnenstrom braucht, ist der TÜV Süd ganz vorn mit dabei. Er will seine Aktivitäten in diesem Bereich in einem Kompetenzzentrum in München bündeln. Doch auch andere Öko-Felder beackert der TÜV: So hat er die CO2-Neutralität der Bioweine eines chilenischen Weingutes zertifiziert.

Doch TÜV-Kerngeschäft bleiben auch Industrie und als Klassiker die regelmäßige Prüfung von Autos. Hier sind Deutschland mit sechs Millionen Fahrzeugen und die Türkei (sieben Millionen) die wichtigsten Märkte. Doch auch in Indien und Südafrika baute das bayerische Unternehmen Kfz-Prüfzentren auf. Dort allerdings gibt es noch keine Pflicht zur regelmäßigen Überprüfung der Sicherheit von Autos.

Weltweit konnte der TÜV Süd seinen bereits mehrere Jahre andauernden Wachstumskurs fortsetzen. Seit Januar 2011 hat der Konzern zehn Firmen übernommen. Der Umsatz kletterte im abgelaufenen Jahr um zehn Prozent auf 1,7 Milliarden Euro. Das Ergebnis vor Steuern legte sogar um zwölf Prozent auf 160 Millionen Euro zu. Die Zahl der Mitarbeiter stieg um 1103 auf 17 161. In der Region München entstanden 100 neue Arbeitsplätze (insgesamt sind es hier 3000).

In Deutschland ist der TÜV Süd (vor dem TÜV Rheinland und TÜV Nord) Marktführer. Weltweit liegt SGS aus der Schweiz vorn. Doch auch international belegt der TÜV Süd bereits Platz 5. Dabei wird der Konzern, der 35 Prozent seiner Umsätze außerhalb Deutschlands macht, immer internationaler. Er wuchs im Ausland um 68 Millionen Euro und damit erstmals in seiner Geschichte stärker als im Inland (57 Millionen Euro).

Stepken setzt auf den Ruf als Hort deutscher Ingenieur-Tugenden und lehnt eine Billig-Strategie ab. „Wir sind kein Low-Cost-Anbieter“, sagt der TÜV-Chef. „Deutsche Qualität“ versteht er auch bei Dienstleistungen als Markenzeichen. So lässt der TÜV auch lieber die Finger von Märkten, in denen man ohne Bestechung nicht zum Zug kommen würde. „Wir dürfen unseren Ruf nicht aufs Spiel setzen“, sagt er.

Martin Prem

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