Wachstum, Ölpreis, Arbeitsmarkt: So wird das Jahr 2008

München - Mit einem Wirtschaftswachstum von etwa zweieinhalb Prozent ist 2007 eines der konjunkturell stärksten Jahre dieser Dekade. Für 2008 sind die Aussichten nach Einschätzung der großen Münchner Banken BayernLB und HypoVereinsbank - diese firmiert mittlerweile unter dem Unicredit-Logo - bescheidener. Aber trotz Kreditkrise, starkem Euro und hohem Ölpreis steht wirtschaftlich kein schlechtes Jahr bevor.

Konjunktur

Bislang hat vor allem der Export die Grundlage für das Wachstum in Deutschland gebildet. Im nächsten Jahr wird der Konsum diese Rolle übernehmen, erwartet Jürgen Pfister, Chefvolkswirt der BayernLB. Da 2008 keine Mehrwertsteuer-Erhöhung verdaut werden müsse und die Löhne steigen würden, könnten die Menschen in Deutschland mehr Geld ausgeben. Der private Verbrauch werde preisbereinigt um 1,5 Prozent zunehmen und damit "den größten Wachstumsbeitrag leisten".

Die BayernLB rechnet mit einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 1,5 bis 2 Prozent. 2009 sei wieder ein Konjunktur-Plus von mehr als zwei Prozent drin. Damit ist Pfister deutlich optimistischer als die OECD, die 2009 nur einen Zuwachs von 1,6 Prozent erwartet.

Die Unicredit-Experten gehen ebenfalls von einem BIP-Plus von rund zwei Prozent im nächsten Jahr aus. Allerdings sieht Deutschland-Chefvolkswirt Andreas Rees kein allzu rosiges Jahr für die Verbraucher voraus: Die höheren Nahrungsmittel- und Energiepreise wirkten sich dämpfend auf die Nachfrage aus. Die derzeit hohe Inflationsrate werde erst im kommenden Herbst wieder die Marke von zwei Prozent unterschreiten.

Arbeitsmarkt

"Der Aufschwung am deutschen Arbeitsmarkt geht zumindest im ersten Halbjahr ungebremst weiter", sagt Rees. Der Fachkräftemangel werde sich deswegen in manchen Branchen noch verstärken. Erst im zweiten Halbjahr wird sich die Dynamik des Stellenaufbaus nach Einschätzung des Unicredit-Ökonomen verringern - ohne dass es zu größeren Entlassungen kommt. Im Jahresschnitt rechnet er mit 3,5 Millionen Arbeitslosen nach etwa 3,8 Millionen in diesem Jahr.

Kritisch äußerten sich beide Banken-Volkswirte zu Mindestlöhnen: Jürgen Pfister warnte vor der Einführung von flächendeckenden Lohnuntergrenzen. "So was kommt politisch gut an. Aber das Thema ist bedenklich und beunruhigend", sagte er. Mindestlöhne von neun Euro oder mehr würden Jobs vernichten.

Euro-Dollar-Kurs

Die Analysten beider Banken erwarten, dass der Euro im Verlauf des nächsten Jahres gegenüber dem Dollar wieder an Stärke verliert. Im ersten Quartal könnte die Gemeinschaftswährung jedoch nochmal eine neue Rekordmarke setzen, wie Unicredit-Währungsexperte Michael Rottmann sagt: "Die anhaltende Nervosität an den Finanzmärkten wird den US-Dollar zunächst noch belasten und könnte in der Spitze zu einem Euro-Dollar-Kurs von 1,55 führen." Sollte er danach wider Erwarten doch nicht sinken, könnte das laut BayernLB schwerwiegende Folgen haben: "Wenn der Kurs auf 1,60 oder 1,70 geht, gibt es messbare Probleme."

Ölpreis

Die BayernLB rechnet mit einer Beruhigung des Ölpreises. Dazu werde unter anderem die US-Präsidentschaftswahl beitragen. Da dort nach derzeitiger Erwartung ein Kandidat der Demokraten die Macht übernehme, sei mit einer Politik der Deeskalation insbesondere in den Krisengebieten im Nahen Osten zu rechnen. Die Unicredit hält es allerdings für unwahrscheinlich, dass sich der begehrte Rohstoff auf lange Sicht wesentlich verbilligt. "Das Angebot bleibt gleich, während die Nachfrage aus den Schwellenländern weiter zunimmt."

Aktienmarkt

Nicht leicht fällt es den Marktbeobachtern, das Geschehen am Aktienmarkt vorauszusagen. Wird 2008 das sechste gute Jahr in Folge? Ja, heißt es bei der BayernLB, die den Deutschen Aktienindex (Dax) Ende des Jahres bei 8500 Punkten stehen sieht. Eher Nein, sagt Unicredit-Aktienstratege Gerhard Schwarz, der ein Nullwachstum erwartet und dem Dax wegen der nachlassenden Gewinndynamik bei starken Schwankungen nur 7900 Zähler zutraut.

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