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Wachwechsel bei der BayWa: Einer für die nächsten Jahrzehnte

München - Dem Mischkonzern geht es gut wie nie, dennoch steht der neue Vorstandschef vor großen Herausforderungen.

Der erste Kontakt mit der BayWa blieb Klaus Josef Lutz in unangenehmer Erinnerung. Damals, Mitte der 60er-Jahre, traf er sich als Bub mit seinen Spezln regelmäßig zum Kicken am Effnerplatz im Münchner Osten, nicht weit von seinem Elternhaus. Doch eines Tages war Schluss mit der Bolzerei: Auf dem Fußballplatz machten sich Bauarbeiter im Auftrag der Schörghuber-Gruppe daran, ein Bürohaus hochzuziehen. Einige Zeit später sollte es die Zentrale des Mischkonzerns werden.

Der Ärger darüber ist längst verraucht. Vier Jahrzehnte später zieht der heute 49-Jährige selbst in das Gebäude ein. In der 16. Etage, mit Panoramablick bis zum Alpenrand, hat er sich in den vergangenen Tagen das geräumige Büro mit dem massiven Konferenztisch aus dunklem Holz eingerichtet. Dort wird Klaus Josef Lutz ab 1. Juli offiziell als Vorstandsvorsitzender der BayWa residieren. Er beerbt Wolfgang Deml, der sich mit 63 Jahren in den Ruhestand zurückzieht.

Ein Chefwechsel bei dem genossenschaftlich geprägten Unternehmen bedeutet stets einen tiefen Einschnitt. Denn anders als in der privatwirtschaftlichen Konzernwelt, in der die Uhren noch immer einen Tick schneller laufen, verweilen die Lenker der BayWa traditionell lange Zeit im Unternehmen. Deml war ebenso wie sein Vorgänger Otmar Wasner zwei Jahrzehnte im Amt. Der neue Chef hat zwar zunächst nur für fünf Jahre unterschrieben. Die "Zielplanung", wie es im Aufsichtsrat heißt, läuft aber über 15 Jahre.

Dann wäre Lutz, der in den vergangenen sechs Jahren erfolgreich den Süddeutschen Verlag saniert hatte, reif für den Renteneintritt.

Ob die Bindung tatsächlich so lange halten wird, weiß heute freilich niemand. Fest steht allerdings, dass der gebürtige Münchner in große Fußstapfen tritt. Deml, der heute im Hotel Bayerischer Hof in München mit einem Festakt verabschiedet wird, hat die BayWa vom verschwiegenen bayerischen Agrarbetrieb zum internationalen Dienstleistungskonzern gewandelt.

Seinetwegen ist das Unternehmen mittlerweile der führende Agrarhändler Europas und zweitgrößte Anbieter von Baustoffen in Deutschland. Den Umsatz verdoppelte der Wirtschaftsingenieur auf sieben Milliarden Euro, der Börsenwert des S-Dax-Wertes kletterte unter seiner Führung auf eine Milliarde Euro. "Wolfgang Deml", sagt einer, der ihn lange kennt, "war ein Glücksfall für die BayWa".

Der scheidende Vorstandsvorsitzende will es in Zukunft ruhig angehen lassen. Anders als andere Chefmanager beansprucht er keinen Ruhesitz im Aufsichtsrat des langjährigen Arbeitgebers. Solche Wechsel seien Schwachsinn, sagt er in seiner allseits bekannten und mitunter gefürchteten direkten Art. In den ersten Wochen seines Ruhestands wolle er sich lieber erstmal im Schaukelstuhl niederlassen. "Und nach drei Monaten fang' ich dann an zu schaukeln."

Für Klaus Josef Lutz wird es nicht so gemütlich. Zwar übernimmt er die BayWa im besenreinen Zustand - dank der hohen Preise für Getreide rechnen Analysten heuer mit neuen Rekordmarken bei Umsatz und Ergebnis. Doch in dem Konzern mit seinem weitverzweigten Agrarhandel in acht europäischen Ländern, den 70 eigenständigen Baustoff- und Gartenmärkten in Deutschland, den 700 deutschen und österreichischen Tankstellen, der Saftproduktion am Bodensee und den 22 Autohäusern in Bayern und Baden-Württemberg gibt es immer was zu tun. Oder wie Deml sagt: "Bei der BayWa ist nie etwas fertig."

Handlungsbedarf sehen Beobachter bei der Profitabilität. Das Unternehmen hat zwar noch nie in seiner 85-jährigen Geschichte einen Verlust eingefahren. Der Überschuss fällt mit rund einem Prozent vom Umsatz (2007: 72 Mio. Euro) aber relativ niedrig aus.

Eine Aufgabe von Lutz dürfte es somit sein, Geschäftsabläufe weiter zu straffen und unrentable Standorte zu schließen. Eine andere ist die weitere Expansion der BayWa. Dazu gehört die Übernahme zusätzlicher Baumärkte genauso wie die mögliche Fusion mit anderen südwestdeutschen Genossenschaften oder das Vorstoßen in Wachstumsmärkte wie Bulgarien oder Rumänien.

Zunächst hatten Außenstehende an der Wahl von Lutz gezweifelt. Der Jurist habe sich zwar als Sanierer einen ordentlichen Ruf im Verlagsgeschäft erworben, bringe aber keine erforderlichen Branchenknentnisse mit zur BayWa. Doch diese Kritik weist das Unternehmen strikt zurück: Es sei einer gefragt gewesen, der mit den Kunden der BayWa umgehen kann und der strategisch denken kann. So einer wie Deml, der einst aus der Finanzbranche zum Unternehmen kam. Ganz ohne Stallgeruch.

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