Wackelt der Stuhl von Werner Schmidt?

München - Zwischen den Eigentümern der BayernLB bahnt sich ein Streit um die Konsequenzen aus den Abschreibungen wegen der US-Hypothekenkrise an. Die Politik rüttelt am Stuhl von Vorstandschef Werner Schmidt, die Sparkassen halten ihre Hand schützend über ihn.

Aus den Reihen der CSU wird die Kritik an Schmidts Informationspolitik immer offensiver. Nachdem sich Erwin Huber am Donnerstag mit öffentlichen Vorwürfen noch zurückgehalten hatte, stellte Ministerpräsident Günther Beckstein am Freitag in der "Passauer Neuen Presse" klar, dass die Landesbank die Kommunikationspanne zu verantworten habe. Wie berichtet, wollte Schmidt am Dienstag die vorläufigen Geschäftszahlen der zweitgrößten deutschen Landesbank am Verwaltungsrat vorbei veröffentlichen.

Andere in der CSU wurden noch deutlicher als Beckstein. Der Vorsitzende der Jungen Union, Stefan Müller, forderte offen die Absetzung Schmidts. "Herr Schmidt ist aus meiner Sicht nicht mehr tragbar, genauso wenig wie Frau Matthäus-Maier bei der KfW", sagte der CSU-Bundestagsabgeordnete unserer Zeitung. "Man kann nicht solche Finanzgeschäfte tätigen und dann versuchen, der Politik die Schuld in die Schuhe zu schieben", sagte Müller. Für die Finanzgeschäfte der öffentlichen Banken seien in erster Linie deren Vorstände verantwortlich - erst dann die Politik.

Auch Beckstein verteidigte seinen Parteifreund Huber: "Es ist schlichtweg ungerecht, dem Finanzminister vorzuwerfen, er hätte etwas erkennen müssen, was zahlreiche Instanzen - vom Bundesfinanzminister über das Bundesaufsichtsamt für das Finanzwesen bis zu den Wirtschaftsprüfern - nicht erkannt haben."

Die bayerischen Sparkassen, die wie der Freistaat zu 50 Prozent an der BayernLB beteiligt sind, stehen hinter Vorstandschef Werner Schmidt. "Den Feuerwehrmann auszuwechseln, wenn es brennt, ist nicht sinnvoll", sagte einer ihrer Vertreter im Verwaltungsrat unserer Zeitung. Das gelte auch dann, wenn die Politik auf der Suche nach einem Schuldigen für die bilanziellen Belastungen und die fehlgelaufene Kommunikation sei. Ohnehin steht nach der Ansicht von Branchenkennern derzeit kein geeigneter Nachfolger bereit.

Zwar ist auch das Sparkassenlager unzufrieden über den Alleingang Schmidts. Er habe sich ungeschickt verhalten, heißt es. Doch wer fünf Jahre gute Arbeit leiste, dürfe "auch mal Mist machen". Zugute gehalten wird dem Finanzmanager vor allem, dass er trotz der Finanzkrise auch 2007 wieder einen Gewinn erwirtschaftet hat. Allerdings schließen auch Sparkassen-Vertreter nicht aus, dass Schmidt vorzeitig aus seinem bis 2011 laufenden Vertrag aussteigt. Der Schwabe - manche nennen ihn "Alphatier" - wird im Juli 65.

Die Grünen sorgen sich unterdessen wegen eines Berichts in der "Berliner Zeitung", wonach die Summe der in Krediten besicherten Wertpapiere deutlich höher ist als bislang bekannt. Bisher war stets von 16 Milliarden Euro die Rede, dem Bericht zufolge sind es 30 Milliarden. Bemerkenswert ist, dass die Bank die Zahl unter Verschluss hält und den Bericht nicht kommentieren will. Der haushaltspolitische Sprecher der Grünen, Thomas Mütze, fordert deshalb: "Wir erwarten, dass Landesbank und Verwaltungsrat jetzt umgehend das katastrophale Versteckspiel um die Spekulationsgeschäfte der BayernLB beenden und die ganze Wahrheit auf den Tisch legen."

Unterdessen kommen neue Avancen aus Baden-Württemberg. Die Fusion der dortigen Landesbank mit der BayernLB war im Herbst von der Staatsregierung verhindert worden. Am Freitag forderte der Präsident des Sparkassenverbandes Baden-Württemberg, Peter Schneider, generell ein stärkeres Zusammengehen der Landesbanken: "Gemeinsam könnten wir es billiger und besser machen."

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