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Rudolf Staudigl, Vorstandsvorsitzender der Wacker Chemie AG.

Münchner Chemiekonzern

Wacker bringt Tochter an die Börse

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München - Es handelt sich wohl nur noch um Wochen: Der Münchner Chemiekonzern Wacker bringt seine Halbleiter-Sparte Siltronic an die Börse.

Wie das Unternehmen am Freitag zur Hauptversammlung in München mitteilte, hat der Aufsichtsrat dem Börsengang der Tochter am regulieren Markt der Frankfurter Börse zugestimmt.

Den genauen Zeitpunkt des Börsendebüts wollte Wacker-Chef Rudolf Staudigl nicht nennen. Wacker arbeite aber unter Hochdruck an den Vorbereitungen. Gut möglich, dass es sich nur noch um Wochen handelt.

Es ist bereits der zweite Anlauf bei Wacker, sich vom Bereich Siltronic zu trennen. Nachdem ein Börsengang vor zehn Jahren misslang, kündigte Staudigl im vergangenen März an, eine „Neuordnung der Eigentümer-Struktur“ erneut zu prüfen. Zur Debatte standen: ein Börsengang oder der Verkauf an einen Investor. Nun also der Börsengang – zu einem Zeitpunkt, an dem es beim Sorgenkind Siltronic endlich bergauf geht.

Einige Aktionäre zeigen sich skeptisch

Wäre es gerade jetzt nicht sinnvoll, die Sparte zu halten? Einige Aktionäre zeigten sich nach der Ankündigung skeptisch. Schließlich machte Wacker über viele Jahre mit dem Geschäftsbereich Siltronic Verluste. Hintergrund war vor allem der Preisverfall auf dem Halbleiter-Markt. Mittlerweile ist die Trendwende geschafft. Siltronic habe sich in den vergangenen vier Jahren hochgearbeitet – bis zum Nettogewinn im ersten Quartal 2015, so Staudigl.

Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) hatte sich bereits im vergangenen Jahr verdreifacht. Zuvor hatte Wacker die Mehrheit am Gemeinschaftsunternehmen Siltronic Silicon Wafer in Singapur übernommen. Die Produktionskosten wurden massiv gesenkt. Unrentable Produktionsstätten für 200-Millimeter-Wafer und kleinerer Scheiben-Durchmesser wurden geschlossen.

Aus sieben Produktionsstandorten wurden so vier. Neben Singapur und Portland (zusammen 1500 Beschäftigte), arbeiten in Burghausen und im sächsischen Freiberg 2700 Mitarbeiter für die Halbleiter-Sparte.

Siltronic als "zukunftsfähiges Unternehmen"

„Gerade jetzt ist der richtige Zeitpunkt für einen Börsengang“, betonte Staudigl. Siltronic sei ein gut strukturiertes Unternehmen, das fest im Markt verankert sei. Siltronic ist nach eigenen Angaben einer der Weltmarktführer für Wafer aus Reinstsilicium und Partner vieler Chiphersteller.

Siliciumwafer sind die Grundlage der modernen Mikro- und Nanoelektronik – wichtige Bestandteile von Computern, Mobiltelefonen, DVD-Playern, Flachbildschirmen, Airbags, Computertomografen und vielem mehr.

Vor diesem Hintergrund sei Siltronic ein zukunftsfähiges Unternehmen, so Staudigl. Ein weiterer Pluspunkt: Das Bewertungsniveau von Konkurrenzunternehmen unterstütze die Pläne für einen Börsengang. Soll heißen: Wacker erhofft sich bei der momentanen Marktlage gute Einnahmen.

Neben dem Siltronic-Börsengang, dem beherrschenden Thema der Hauptversammlung, gab es viel Lob von den Aktionären für den MDax-Konzern. Nachdem Wacker 2014 die Durststrecke der vergangene Jahre hinter sich gelassen hat, ist auch der Start ins Jahr 2015 geglückt.

Mit 1,33 Milliarden Euro erwirtschaftete der Konzern in den ersten drei Monaten des Jahres den höchsten Umsatz eines Quartals in der Firmengeschichte. Alle Geschäftsbereiche legten zweistellig zu. Der Gewinn erhöhte sich um zehn Prozent auf 71 Millionen Euro.

Entsprechend hat Wacker die Prognose für 2015 angehoben. Um zehn Prozent soll der Umsatz auf fünf Milliarden Euro steigen. Die Aktionäre profitieren von der guten Entwicklung mit einer Dividende in Höhe von 1,50 Euro je Aktie – dreimal so viel wie im vergangenen Jahr.

Manuela Dollinger

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