Wacker-Chemie gehört wieder ganz der Familie

- München - In einem Punkt entsprach die Internetseite des Münchner Chemiekonzerns Wacker am Montagmittag nicht mehr der Wahrheit: 51 Prozent der Anteile besitzt die Gründerfamilie Wacker, stand dort geschrieben, 49 Prozent der französische Pharma-Riese Sanofi-Aventis. Tatsächlich aber befand sich da schon das ganze Unternehmen in Familienhand. Kurz zuvor hatten beide Gesellschaften unisono gemeldet: "Sanofi-Aventis gibt ihren Anteil an Wacker ab." Nach juristischem Gezänk wird damit entflochten, was Jahrzehnte verbunden war.

Am 21. Januar 1921 trat Hoechst in den Kreis der Wacker-Anteilseigner ein. Der Frankfurter Traditionskonzern schoss damals Stammkapital zu und erwarb rund die Hälfte an dem 1914 gegründeten bayerischen Betrieb. Bis zum Ende des Jahrhunderts blieb es dabei, dann aber fusionierte Hoechst 1999 zu Aventis. Und Aventis kündigte an, sich auf Arzneimittel konzentrieren zu wollen und sich von anderen Industriesparten zu trennen.

Wacker wurde für 2002 ein Rückkaufrecht für den Anteil eingeräumt. Aber das Geschäft verzögerte sich und gipfelte in einem Rechtsstreit, der erst in den vergangenen Wochen beigelegt wurde. Denn anders als vereinbart zahlte Wacker zwischen 2000 und 2002 nur eine Ausschüttung - in Höhe von 74 Millionen Euro - an Aventis und nicht drei. Weil die Geschäfte schlecht gegangen seien, wie aus dem Unternehmen verlautbarte. Tatsächlich waren die Zahlen zumindest 2001 rot, was Aventis aber nicht gelten lassen wollte. Der Pharmakonzern, den vergangenes Jahr Sanofi schluckte, blies den Verkauf ab und reichte eine Schadensersatzklage über 60 Millionen Euro ein. Wacker zog daraufhin ebenfalls vor Gericht und forderte die 74 Millionen zurück.

Die Parteien einigten sich schließlich im Juni auf einen Vergleich, dessen Details geheim blieben. Damals wechselten 4,7 Prozent der Anteile von Aventis zu Wacker, jetzt folgten die restlichen 44,3 Prozent. "Endlich ist eine Lösung gefunden", hieß es dazu bei Aventis-Sanofi. Wie sie sich die auf die Bilanz auswirkt, wollte ein Sprecher auf Nachfrage nicht erklären. Er verwies auf den 31. August, an dem die Gewinnzahlen für das erste Halbjahr 2005 verkündet werden. Ein Wacker-Sprecher sagte zu den veralteten Angaben auf der Webseite: "Das wird zügig richtig gestellt."

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