TÜV Süd wächst im Ausland

München - TÜV und Abgasuntersuchung? Längst nicht mehr die Haupteinnahmequelle der verschiedenen Unternehmen namens TÜV. Die expandieren inzwischen vor allem ins Ausland.

Alle zwei Jahre ist jedes Auto dran. TÜV heißt das im Volksmund, obwohl die verschiedenen Unternehmen namens TÜV längst mit anderen Anbietern um die regelmäßige Hauptuntersuchung konkurrieren. Die Unternehmen, die aus den früheren Technischen Überwachungsvereinen hervorgingen, bieten längst eine Vielzahl technischer Dienstleistungen vor allem für die Industrie an. Doch die regelmäßige Untersuchung von Autos und Motorrädern bleibt ein wirtschaftliches Rückgrat. Mehr als jeden vierten Euro, den der in München ansässige TÜV Süd einnimmt, spült die Hauptuntersuchung unter seinen Geschäften in die Kassen: 410 von 1553 Millionen Euro Umsatz im Jahr 2010 stammen daraus.

Allerdings liefert das Plakettengeschäft in Deutschland nur noch knapp die Hälfte davon. Denn auch im Ausland fahren Autos heute regelmäßig beim TÜV vor. In der Türkei beispielsweise prüft der TÜV Süd sogar mehr Autos als in Deutschland.

Nach einem weiteren Wachstumsjahr (der TÜV Süd verzeichnete nach eigenen Angaben keine Krise), einer Marge von 7,9 Prozent und einem Vorsteuerergebnis von 123 Millionen Euro (plus 21 Prozent), will das Unternehmen weiter wachsen. Doch dies wird vor allem im Ausland stattfinden. Denn der Auslandsanteil an den Geschäften soll sich von 33 auf 40 Prozent erhöhen.

„Wir werden weiter akquirieren und expandieren“, sagte Vorstandschef Axel Stepken. Als Felder mit großem Wachstumspotenzial hat er die Elektromobilität und erneuerbare Energien definiert. So erarbeitet der TÜV Süd die sicherheitstechnischen Grundlagen für eine elektrische Hinterachse mit Radnabenmotoren. Damit könnten Motor und Bremssysteme zumindest teilweise in den Rädern Platz finden. Der Energieverlust durch Getriebe und Antriebswellen entfällt. So etwas sucht man in den aktuell entwickelten Elektroautos noch vergeblich.

Die Abkehr von der Kernenergie betrachtet der TÜV Süd mittlerweile als Chance. Er hat zwar bisher mit Bewertungen und Prüfungen von Kernkraftwerken viel verdient, doch auch beim Betrieb während der Restlaufzeiten, bei der Stillegung und schließlich beim Rückbau „werden unsere Erfahrungen gefragt sein“, wie Stepken sagt. Doch auch bei den erneuerbaren Energien ist der TÜV gut dabei. So hat er etwa einen Windatlas für Baden-Württemberg erstellt, der die Datengrundlage für eine wirtschaftliche Windenergienutzung liefert. Und für Windanlagen auf dem Meer hat das Münchner Unternehmen eine eigene Abteilung Offshore-Windenergie aufgebaut - mit Sitz in Hamburg.

Martin Prem

Rubriklistenbild: © dpa

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