Bei Eon wächst die Sorge um den Job

- München - Unter tausenden Beschäftigten des Eon-Konzerns geht die Angst um. Um den zunehmenden Druck auf die Energiepreise auszugleichen, will der größte deutsche Versorger bundesweit Tochter-Gesellschaften umbauen und zugleich den Tarifvertrag neu verhandeln. Die Belegschaft und die Gewerkschaft Verdi befürchten Jobabbau und ein sinkendes Lohnniveau. Jetzt gingen sie erstmals gegen die Pläne des Managements auf die Straße.

Die Resonanz auf den Verdi-Aufruf war wesentlich größer als erwartet: 1200 Mitarbeiter versammelten sich am Freitagvormittag vor der Zentrale des Regionalversorgers in Regensburg, um gegen eine mögliche Zerschlagung und Einschnitte zu demonstrieren. "Dadurch wird deutlich, wie groß momentan die Unruhe im Unternehmen ist", sagte Jürgen Feuchtmann, der für die Energiesparte zuständige Fachbereichsleiter von Verdi im Freistaat, unserer Zeitung. Immerhin hätte ein Drittel aller Eon-Bayern-Mitarbeiter protestiert.

Auf die Straße trieb die Mitarbeiter der von der Unternehmens-Führung beabsichtigte Umbau der sieben Regionaltöchter der Konzern-Sparte Eon Energie, zu denen auch Eon Bayern gehört. Diese Gesellschaften versorgen mit 16 000 Mitarbeitern Verbraucher und Unternehmen in Süd-, Mittel- und Nord-Deutschland mit Strom, Gas und Wärme. Doch der regionale Aufbau steht zur Disposition (wir berichteten bereits am 23. März): Wie das Unternehmen nun erstmals offiziell erklärte, müssten "Eon Energie und deren Regionalversorger über neue Strukturen und Prozesse nachdenken, mit denen man in Zukunft in den Wettbewerb gehen will". Eine Projektgruppe soll bis zur Jahresmitte ein entsprechendes Konzept vorlegen. Angedacht wird laut Verdi unter anderem, den Privatkundenvertrieb zentral zu organisieren, wodurch zahlreiche Jobs wegfallen könnten.

Grund für die Umorganisation ist das harte Durchgreifen der Bundesnetzagentur, die seit Mitte des vergangenen Jahres die oft überhöhten Netzentgelte reguliert. Das sind die Gebühren, die Eon anderen Versorgern in Rechnung stellt, wenn diese Strom oder Gas durch die eigenen Leitungen transportieren. Nach Eon-Angaben kostete die Regulierung den Konzern im vergangenen Jahr 600 Millionen Euro. "Und die will das Unternehmen durch Einsparungen wieder reinholen, obwohl Milliarden-Gewinne eingefahren werden", heißt es in der Belegschaft.

Darüber hinaus plant Eon weitere Einschnitte, die aber nicht nur die Mitarbeiter der Regionaltöchter, sondern alle bundesweit 33 000 Beschäftigten von Eon Energie treffen würde. Ende Januar trat das Unternehmen bereits an Verdi heran und präsentierte seine Pläne für einen neuen Tarifvertrag, der derzeit ausgehandelt wird. Demnach müssten die Mitarbeiter künftig auf Jubiläumszahlungen verzichten, übernommene Azubis müssten mit einem niedrigeren Startgehalt einsteigen und die Arbeitszeit würde von 36 auf 38 Stunden ausgeweitet. Durch die Mehrarbeit würden laut Verdi allein in Bayern rund 400 Arbeitsplätze überflüssig.

"Wir haben Verständnis für die Verunsicherung unserer Mitarbeiter", sagte Klaus-Dieter Maubach, Vorstandsmitglied bei Eon Energie anlässlich der Regensburger Kundgebung. Eon habe in den vergangenen Jahren bei strukturellen Veränderungen stets gemeinsam mit allen Beteiligten sozialverträgliche Lösungen gefunden. Maubach: "Dieses Mal wird das hoffentlich auch gelingen."

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