Tüv Süd wächst mit weiteren Zukäufen

- München -­ Nach der geplatzten Übernahme des Schiffsprüfers Germanischer Lloyd wächst der Tüv Süd weiter durch Übernahmen und aus eigener Kraft. Mit der Übernahme des US-Prüfdienstleisters Petro Chem mit 400 Beschäftigten und einem Umsatz von 27 Millionen Euro baut der größte deutsche Technische Überwachungsverein sein globales Chemie-Geschäft aus.

Die größte Investition in der 140-jährigen Geschichte des Unternehmens werde das Türkei-Projekt, das im Frühjahr starten soll. Mit zwei einheimischen Partnern übernimmt Tüv Süd die gesamte Überprüfung der Autos durch den Tüv Turk nach deutschem Vorbild. Das Vorhaben umfasst eine Summe von 522 Millionen US-Dollar für die Konzession und weiteren 200 Millionen Dollar für Investitionen in den Aufbau der Stationen. Davon schultere der Tüv ein Drittel.

Die wichtigsten Prüfgesellschaften weltweit befinden sich alle in Europa. "Sie können in den USA jedes Produkt mit einer Selbsterklärung auf den Markt bringen, aber sie sind dann der brutalen Produkthaftung unterworfen", sagte Tüv-Süd-Chef Peter Hupfer.

Mit der Übernahme des Dienstleisters EST Testing Solutions in Michigan und der erwähnten Petro Chem erhofft sich der Tüv auch eine Stärkung auf dem arg zersplitterten amerikanischen Markt. Weitere Übernahmen gab es in Spanien und Ungarn. In dem zu Ende gehenden Geschäftsjahr werden die Umsätze des Tüv Süd voraussichtlich um zehn Prozent auf 1,135 Milliarden Euro steigen. Auch der Vorsteuergewinn des Vorjahres von 110,4 Millionen Euro sei bereits fast wieder erreicht.

Inklusive Teilzeitmitarbeitern arbeiten 11 700 Menschen für den Tüv, 12,6 Prozent mehr als im Vorjahr. 3000 von ihnen arbeiten im Ausland, wo der Tüv bereits 280 Millionen Euro umsetzt ­ mit steigender Tendenz.

Die finanzielle Potenz des Tüv werde auch durch die kurzfristige Finanzierungszusage für den Germanischen Lloyd von 575 Millionen Euro bewiesen, so Hupfer. Der Schiffstüv wäre eine ideale Ergänzung für die Münchner gewesen, nur leider habe sich sowohl Vorstand wie Belegschaft als auch die Eigentümer der Hamburger Gesellschaft für eine hanseatische Lösung mit dem dortigen Kaufmann Günter Herz entschieden.

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