HVB wagt einmaliges Experiment

- München - Der radikale Umbau der HypoVereinsbank erreicht mit der Aufspaltung des Konzerns am Montag seinen Höhepunkt. Die Bank trennt sich beim Börsengang der Immobilien-Tochter Hypo Real Estate (HRE) von einem Fünftel ihres Geschäfts. Mit diesem radikalen Schritt nimmt die HVB das Risiko in Kauf, die Position als dem Börsenwert nach zweitgrößtes privates Kreditinstitut an die Commerzbank zu verlieren. "Keiner weiß, wie das ausgeht. So ein Experiment hat es in der deutschen Bankenlandschaft noch nicht gegeben", heißt es bei einem Münchner Finanzkonzern.

<P>Die Münchener Rück verabschiedete sich überraschend schon vor dem Börsengang von ihrem HRE-Engagement und verkaufte ihr 25,7-Prozent-Paket an institutionelle Investoren.</P><P>Der HypoVereinsbank-Chef Dieter Rampl ist überzeugt: "Das ist einer der einschneidendsten Schritte in der Geschichte der Bank." Er zeigte sich aber hoffnungsfroh, dass die Skeptiker in der Branche nicht Recht behalten werden. "Ich bin zuversichtlich, dass sich beide Aktien positiv entwickeln werden."</P><P>Münchener Rück zieht sich elegant zurück</P><P>Mit der Abspaltung des Gewerbeimmobilien-Geschäfts will die HypoVereinsbank die Kreditrisiken senken und ihre Kernkapitalquote verbessern. Als Folge werden die HypoVereinsbank-Aktionäre ab Montag Aktien der Hypo Real Estate besitzen _ ob sie wollen oder nicht. Für vier HVB-Aktien gibt es einen Anteilsschein der Hypo Real</P><P>Estate. Als Folge sollten Aktienkurs und Marktkapitalisierung der HypoVereinsbank am Montag rechnerisch um ein Fünftel sinken. Die Hypo Real Estate müsste demnach auf einen Wert von etwa 1,6 Milliarden Euro oder gut 11 Euro je Aktie kommen.</P><P>Einige Analysten halten es für möglich, dass die Aktie der Hypo Real Estate am ersten Börsentag einen Absturz erlebt. "Die Bank weist angesichts des hohen Gewerbekreditbestandes ein überdurchschnittliches Geschäftsrisiko auf", meinen zum Beispiel die Analysten der WestLB. Angesichts des schrumpfenden Kreditbestandes handele es sich zudem um keine Wachstumsstory. Die WestLB setzt daher das Kursziel für die Aktie bei 8,40 Euro an. Konrad Becker von Merck Finck glaubt, dass die Aktie unter Druck geraten wird, weil viele Anleger einfach nicht am Geschäft mit Gewerbeimmobilien beteiligt sein wollten.</P><P>Zu diesen Anlegern gehörte auch die Münchener Rück. Als HVB-Großaktionär hielt sie automatisch knapp 26 Prozent der Anteile an der Hypo Real Estate - ein Engagement, das aus strategischer Sicht aber wenig Sinn machte. Noch vor dem Börsenstart fand der Rückversicherer nun mit Hilfe der Investmentbank Goldman Sachs Käufer für die Anteile. "Damit ist allen Seiten geholfen", hieß es in Finanzkreisen. Die Münchener Rück ist die ungeliebte Beteiligung an einer Immobilienbank elegant losgeworden und hat gleichzeitig ihr Engagement in der Bankenbranche reduziert. Die HRE kann nun auf einen besseren Start hoffen, da der Verkaufswunsch der Münchener Rück den Kurs sonst in den ersten Monaten belastet hätte. Allerdings ist damit nicht der ganze Druck beseitigt. Auch viele Fonds, die beispielsweise den Dax abbilden und deshalb HypoVereinsbank-Aktien halten, werden sich nach Einschätzung von Experten gleich von ihren HRE-Aktien trennen.</P><P>Die HypoVereinsbank ist von einem möglichen niedrigen Kurs beim Börsenstart der Hypo Real Estate nicht direkt betroffen. Sie selbst hält dann keinerlei Anteile mehr an der bisherigen Tochter. Rampl ist auch überzeugt davon, dass ein Kursrückgang rasch - und zumindest teilweise - kompensiert werden kann, da die kleinere HypoVereinsbank künftig klarer aufgestellt ist. Daher wird auch die Möglichkeit, im Börsenwert hinter die Commerzbank zurückzufallen, gelassen gesehen.</P>

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