Wahltarife - Die Gesunden profitieren

Gesetzliche Krankenkassen: - Den Versicherten rauchen die Köpfe: Seit 1. April haben sie die Möglichkeit, zwischen bis zu 18 neuen Wahltarifen ihrer gesetzlichen Krankenkasse zu wählen. Gelockt wird mit besserer medizinischer Versorgung und finanziellen Einsparungen. Doch wer spart hier wirklich?

Studiert man das Angebot genauer, wird schnell klar: Bedeutende Einsparungen können nur die gesunden Versicherten mit den neuen Selbstbehalt- und Beitrags-Rückerstattungstarifen machen. Sie haben die Möglichkeit, ihren jährlichen Kassenbeitrag um bis zu 900 Euro zu reduzieren. Wer dagegen krank ist und die dafür vorgesehenen Tarifangebote wahrnimmt, kann je nach Tarif gerade mal bis zu 40 Euro Praxisgebühr einsparen (z.B. DAK, Techniker, Gmünder Ersatzkasse) oder die Zuzahlungen begrenzen, beispielsweise auf 60 Euro pro Jahr (Techniker) oder auf einen Euro jährlich bei Arzneimitteln (AOK Baden-Württemberg).

Spezielle Tarife für Hausarztprogramme, Sonderbehandlungen von chronisch Kranken und die Teilnahme an integrierten Versorgungskonzepten gehören seit 1. April zu den Wahltarifen, die eine Kasse zwingend anbieten muss. Andere Tarifangebote, etwa Selbstbehalt- und Beitrags-Rückerstattungstarife sind freiwillig. Geändert hat sich aber mit Einführung der Pflichttarife bisher wenig. Denn lediglich jene Kassen, die diese Versorgungsformen ohnehin schon seit längerem umgesetzt haben, bieten sie seit April an. Neu ist nur der Name: "Wahltarife".

Für Kassen, die bisher noch keine derartigen Angebote hatten, ist der Gesetzesbeschluss als Aufforderung zu verstehen, diese nun umzusetzen, erklärt Heidemarie Krause-Böhm, Expertin für Krankenversicherungsfragen bei der Verbraucherzentrale Bayern. Einen zeitlichen Rahmen gibt es dafür aber keinen, heißt es beim Bundesministerium für Gesundheit in Berlin. Hinzu kommt, dass sich die neuen Tarife "selbst tragen sollen", erklärt Michael Schmitz, Sprecher der Techniker Krankenkasse. Sie dürfen keine Mehrkosten verursachen, die durch die Solidargemeinschaft getragen werden müssen. Erst wenn sich bestätigt, dass die Kasse mit den neuen Tarifen Einsparungen macht, kann man mit einer flächendeckenden Umsetzung rechnen.

Auch wenn die Einsparmöglichkeiten bei den Pflichttarifen vernachlässigbar sind, so profitieren Versicherte von einer effizienteren medizinischen Versorgung. Bei den Selbstbehalttarifen steht der Spareffekt dafür im Vordergrund - allerdings nur, wenn man kerngesund bleibt.

Das Prinzip ist simpel: Wer bereit ist, einen bestimmten Anteil seiner Arztkosten im Krankheitsfall selbst zu zahlen, erhält einen finanziellen Bonus. Der große Unterschied der verschiedenen Tarife der Kassen liegt in der Risikobegrenzung der finanziellen Leistung, die der Versicherte im Krankheitsfall zu leisten hat: Manche Unternehmen berechnen einen Pauschalbetrag pro Arztbesuch - die günstigste Variante für Versicherte. Andere ziehen die anfallenden Kosten 1:1 vom Selbstbehalt ab, der dann oftmals mit einem Arztbesuch verbraucht ist. Bei wieder anderen Tarifen, wie dem E500 der Barmer Ersatzkasse, muss der Versicherte 45 Prozent aller Leistungen selbst tragen - damit ist die Höhe des Selbstbehalts gar nicht mehr kalkulierbar.

Bevor man einen Wahltarif aus rein finanziellen Gründen erwägt, sollte man prüfen, ob ein Wechsel zu einer Krankenkasse mit einem günstigeren Beitragssatz nicht mehr Einsparungen bringt. Eine Differenz von nur einem Prozentpunkt macht bei einem Bruttogehalt von 3000 Euro gleich 180 Euro weniger Kassenbeitrag im Jahr aus. Allerdings bleibt zu bedenken, dass ab 1. Januar 2009 ohnehin einheitliche Beitragssätze bei allen Kassen gelten.

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Mehr Informationen

per Faxabruf: Unter der Nummer 09001/25 26 65 53 40 (6 DIN-A4-Seiten, 62 Cent pro Minute) bis 22. Juni. Das Faxgerät auf "Polling" oder "Sendeabruf" stellen, Fax-Service-Nummer wählen und Starttaste drücken.

per Post: Senden Sie einen mit 0,90 Euro frankierten Rückumschlag plus 1,45 Euro in Briefmarken mit dem Stichwort "Wahltarife" an: Versandservice, Lerchenstr. 8, 86938 Schondorf.

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