"Wahre europäische Bank" kostet erst einmal Tausende Stellen

- München - So innig haben sich wohl lange keine zwei Manager mehr in den Armen gelegen. Dieter Rampl, Vorstandssprecher der HypoVereinsbank, und Alessandro Profumo, Chef der Unicredit, mochten im Blizlichtgewitter gar nicht mehr voneinander lassen - ging es doch darum, der Öffentlichkeit zu demonstrieren, dass die Übernahme der HypoVereinsbank durch die Unicredit eine überaus freundliche ist.

<P>"Dies ist ein besonderer Tag in der Geschichte unseres Hauses", freute sich Rampl. Gemeinsam mit seinem neuen Freund "Alessandro" will er die erste "wahre europäische Bank" erstehen lassen. In Osteuropa wird die neue Unicredit nach der Übernahme die Nummer eins am Markt. Gut 15 Milliarden Euro wollen sich die Italiener die bayerische Traditionsbank kosten lassen. Und ein guter Teil der Summe soll durch Einsparungen wieder hereinkommen. Insgesamt fallen gut 9000 der 127 000 Stellen dem Zusammenschluss zum Opfer. Eine überraschend große Zahl davon in Deutschland. <BR><BR>Fünf Jahre Garantie fürs Deutschland-Geschäft</P><P>Rampl erklärte, 1800 Arbeitsplätze würden zusätzlich zu den bereits von der HypoVereinsbank für die kommenden drei Jahre beschlossenen 2400 Stellen abgebaut, macht zusammen 4200 Arbeitsplätze weniger. Da die HypoVereinsbank am stärksten in Bayern aufgestellt ist und die zentralen Funktionen der Bank in München angesiedelt sind, wird es den Freistaat und seine Landeshauptstadt am stärksten treffen. Rampl geht freilich davon aus, dass - Mobilität der Mitarbeiter vorausgesetzt - der Stellenabbau ohne betriebsbedingte Kündigungen über die Bühne gehen könne. "Wir haben bewiesen, dass wir das am runden Tisch mit dem Betriebsrat können." Auch in Österreich und Osteuropa werden 7000 weitere Stellen gestrichen.<BR><BR>Trotz der Juniorrolle der HypoVereinsbank gab Rampl an, selbstbewusst und mit gestalterischem Willen seine neue Aufgabe als Chef des Aufsichtsrats der fusionierten Bank anzutreten. Dabei ist ihm um das Deutschland-Geschäft insgesamt auch langfristig nicht bange. Einige Branchenexperten vermuten, die Unicredit könnte lediglich am Osteuropa-Geschäft der HVB und deren lukrativer Tochter Bank Austria interessiert sein und die deutschen Aktivitäten über kurz oder lang abstoßen. Sowohl Rampl als auch Profumo widersprachen dem. "Das Deutschland-Geschäft ist ein strategischer Bestandteil dieses Zusammenschlusses", betonte Profumo, "und das ist die beste Garantie". In fünf Jahren werde die Bank in Deutschland mehr Kunden und mehr Geschäft haben als heute, zeigte sich Profumo überzeugt.<BR><BR>Auch formell hat Unicredit auf Drängen der Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat eine fünfjährige Bestandsgarantie für das Deutschland-Geschäft abgegeben. Allerdings kann der Unicredit-Aufsichtsrat diese relativ einfach mit einer Mehrheit von 19 der 24 Mitglieder wieder kassieren.<BR><BR>Unicredit will mit der Übernahme langfristig Milliarden-Gewinne einfahren. Nach den Plänen der Italiener sollen es bis 2007 über sechs Milliarden Euro sein. Im laufenden Jahr sind zunächst Restrukturierungskosten von 1,35 Milliarden Euro eingeplant.<BR><BR>Nachbessern muss die Bank möglicherweise ihr Angebot für die HVB-Tochter Bank Austria. Unicredit bietet neben eigenen Aktien alternativ 70,04 Euro in bar je Bank-Austria-Aktie. Aktuell notiert die Aktie der Österreicher über 81 Euro. Die Wiener Übernahmekommission will die Barofferte genau prüfen.<BR><BR>Als Nächstes haben im bayerisch-italienischen Übernahmeprozedere die Aktionäre der Unicredit das Wort. Sie treffen sich am 27. Juli, um über die Offerte zu beraten und abzustimmen.<BR><BR></P>

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