+
Dr. Alexander Seibold ist geschäftsführender Gesellschafter der Dr Seibold Capital GmbH in Gmund am Tegernsee.

Die Wahrheit kommt am 27. September ans Licht

War`s das schon mit der Rezession in Europa? Die Industrieproduktion steigt in Deutschland kräftig an, die Inflation verharrt auf dem historischen Tiefstand.

Da müsste die Konjunktur spätestens im nächsten Jahr wieder in Schwung kommen. Müsste. Aber sie wird es wahrscheinlich nicht.

Warum es für Jubelgesänge noch zu früh ist, illustriert das Beispiel Deutschland: Der Bundesfinanzminister und seine Kollegen in Ländern und Gemeinden müssen den Schuldenberg in kommenden Jahren auf 2.000 Milliarden Euro anwachsen lassen. Das ist das Resultat aus dem Doppelschlag von wegbrechenden Steuereinnahmen und teuren Konjunkturpaketen. Die zusätzlichen Ausgaben wegen der höheren Arbeitslosigkeit kommen noch hinzu. Unter diesen Vorzeichen sind die Aussagen vieler Politiker, es seien nach der Bundestagswahl keine Steuererhöhungen geplant, – vorsichtig gesagt – eine sehr optimistische Sicht der Dinge. Viel wahrscheinlicher ist, dass nach dem 27. September die ganze Wahrheit ans Licht kommt. Abwrackprämie und Kurzarbeitergeld werden dann wohl nicht weiter verlängert, Steuern erhöht und Ausgaben verschoben. In anderen Staaten sieht es sogar noch düsterer aus. Weil Deutschland als größte Volkswirtschaft der Europäischen Union aber das Vertrauen der Kapitalmärkte besitzt, besteht zumindest die Chance, den Haushalt weiter zu finanzieren. Da haben es die Euro-Länder Irland und Portugal deutlich schwerer, von den baltischen Staaten gar nicht zu reden.

Was heißt das für Anleger? Ich will hier nicht als Schwarzseher auftreten, denn die kommenden Jahre werden Chancen bieten. Aber sie werden in kurzen, wechselnden Zyklen auftreten. Die Depot-Strategie kann nur lauten: zeitweise in Aktien , zeitweise in Renten , zeitweise in Rohstoffen. Nur schwer denkbar ist eine neue Langfrist-Hausse an den Aktienmärkten, wie wir sie von 1980 bis 2000 gesehen haben. In dieser Zeit sanken Inflation und Zinsen von damals zweistelligen Prozentsätzen bis heute nahe Null. Im Gegenzug weiteten sich die Bewertungen der Aktien, gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis massiv aus. In der Folge vervielfachten sich die Kurse. Eine solche Entwicklung ist schon mathematisch nicht mehr möglich. Aber es wird immer wieder Sonderbewegungen geben, wie derzeit bei Unternehmensanleihen, die stark im Wert aufgeholt haben. Diese zu erkennen, wird die Kunst sein. Fazit: Es ist mühsam, aber nicht unmöglich, den Märkten eine angemessene Rendite abzutrotzen. Flexibilität und Kapitalerhalt bleiben das Gebot der Stunde.

Autor:

Dr. Alexander Seibold ist geschäftsführender Gesellschafter der Dr. Seibold Capital GmbHin Gmund am Tegernsee.

Anmeldung für den kostenlosen Vermögens-Check

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Apple zahlt US-Steuer von 38 Milliarden Dollar auf Auslandsvermögen
Apple wird als Ergebnis der US-Steuerreform eine Summe von 38 Milliarden Dollar (31 Milliarden Euro) auf im Ausland angesammelte Gewinne an den US-Fiskus zahlen.
Apple zahlt US-Steuer von 38 Milliarden Dollar auf Auslandsvermögen
Dax von Eurostärke und Wall Street belastet
Frankfurt/Main (dpa) - Der hohe Eurokurs hat den Dax am Mittwoch belastet. Am Nachmittag drückte die Wall Street zusätzlich auf die Stimmung, da die Gewinne der …
Dax von Eurostärke und Wall Street belastet
Führende Ökonomen fordern radikale Reformen in der Eurozone
Nach Jahren der Finanzkrise verzeichnet Europas Wirtschaft wieder Wachstum. Doch der Aufschwung steht aus Sicht vieler Experten auf wackeligen Füßen. Der Reformdruck …
Führende Ökonomen fordern radikale Reformen in der Eurozone
Goldman Sachs und Bank of America schreiben Verlust
New York/Charlotte (dpa) - Die von US-Präsident Donald Trump vorangetriebene Steuerreform macht den großen Banken des Landes weiter zu schaffen.
Goldman Sachs und Bank of America schreiben Verlust

Kommentare