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Theo Waigel ist der "Compliance Monitor" bei Siemens.

Waigel sieht Bewegung im Kampf gegen Korruption

München - Seit eineinhalb Jahren überwacht der CSU-Politiker als Anti-Korruptionsaufseher den Siemens-Konzern - und wirbt zudem für saubere Geschäfte.

Dabei hat er nicht nur mit hunderten Siemensianern, sondern auch vielen politischen Verantwortlichen in zahlreichen Ländern gesprochen. Denn der Kampf gegen Bestechung muss ein globaler sein und darf nicht bei Unternehmen haltmachen, weiß Waigel. “Wir wollen das breit aufstellen und zeigen, dass niemand Angst haben sollte vor der Einhaltung von Regeln. Wer das verinnerlicht hat, verliert kein Geschäft, sondern gewinnt neues dazu“, sagt der 71-Jährige.

Zu seinem Job war Waigel durch die Aufarbeitung des Milliarden-Schmiergeldskandals gekommen, der den Elektrokonzern in seine bisher tiefste Krise stürzte und viel Ansehen kostete. Ende 2008 einigte sich Siemens mit Behörden in den USA und Deutschland auf eine Milliardenstrafe und bekam mit Theo Waigel verpflichtend einen “Compliance Monitor“. Seither durchforstet der promovierte Jurist zusammen mit einem Team von Anwälten und Finanzexperten Projekte vor allem in heiklen Ländern, nimmt Zahlungsströme, Zwischenhändler und Vergabeprozesse unter die Lupe. “Wir haben in den eineinhalb Jahren in Deutschland und 15 anderen Ländern etwa 1000 Gespräche geführt und 20 000 Dokumente angesehen“, sagt Waigel. Pro Jahr kostet diese Tätigkeit Siemens einen niedrigen zweistelligen Millionen-Betrag. “Ich bin aber kein Inquisitor, sondern ein Partner.“

Mit der Berufung Waigels hatte Siemens gezwungenermaßen Neuland betreten, inzwischen muss sich auch Daimler nach einer Korruptionsaffäre von der US-Börsenaufsicht SEC in die Karten schauen lassen: Der Autobauer wird vom ehemaligen FBI-Chef Louis Freeh kontrolliert. Für Siemens zieht Waigel eine durchweg positive Zwischenbilanz: “Mir ist noch nie ein Gespräch verweigert worden, mir ist noch nie ein Dokument vorenthalten worden.“ Viele der rund 100 Empfehlungen seines Teams an das Management seien bereits umgesetzt. “Manches von dem, was wir gemacht haben, wurde auch als beispielhaft empfunden.“

Eigentlich ist es nicht Waigels Aufgabe, nach Verfehlungen einzelner Mitarbeiter in der Vergangenheit zu suchen, sondern die Kontrollsysteme zu testen und zu bewerten. Aber in einem Fall ist Waigels Team dann doch eingeschritten: Auf einem anderen Kontinent habe man einen Manager angetroffen, “der für unsere Vorstellungen nur wenig Verständnis hatte“, sagt der Politiker. “Das haben wir dem Management mitgeteilt, innerhalb von einer Woche war der Mann von seinem Posten abberufen.“

Dass ein so großer Konzern vor Fehltritten Einzelner nicht gefeit ist, liegt für Waigel auf der Hand. Wichtig sei aber konsequentes Handeln wie in diesem Fall. “Bei 400 000 Mitarbeitern in 190 Ländern haben Sie nicht nur Heilige. Was man aber ausschließen kann und muss, sind systemische Risiken - und diese Gefahr sehe ich bei Siemens als nicht mehr gegeben.“

Auch die Anti-Korruptionsorganisation Transparency International (TI) hat eine regelrechte “Kulturrevolution“ festgestellt, seit der Siemens-Skandal vor dreieinhalb Jahren die deutsche Wirtschaft aufschreckte. Seither sei in vielen Chefetagen klar geworden, dass an Korruptionsbekämpfung kein Weg vorbeiführt, wie TI-Deutschland-Vize Peter von Blomberg sagt. “Heute wird nicht mehr die Frage gestellt: Brauchen wir ein Compliance-System, sondern wie machen wir das.“

Nachholbedarf sieht Blomberg dennoch: Manch exportorientierter Mittelständler wiege sich in falscher Sicherheit, dabei könnten gerade solche Firmen als Zulieferer großer Konzerne schnell in problematische Geschäfte hineingezogen werden. Die welweiten Aktivitäten von Siemens im Kampf gegen die Korruption wertet Blomberg zwar als guten Anfang, dessen Tragfähigkeit aber mit Vorsicht zu bewerten sei: “Ob es gelingt, damit die internationalen Märkte zu verändern, lässt sich heute noch nicht abschätzen.“

dpa

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