Wall Street und US-Leitzinssenkung beflügeln international Börsen

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Tokio/Frankfurt/Main (dpa) - Aufatmen an den Börsen weltweit: Nach den kräftigen Kursgewinnen an der Wall Street in New York als Reaktion auf die deutliche US-Leitzinssenkung haben die Börsen am Mittwochmorgen kräftig zugelegt.

Die Börsen in Tokio, Sydney und Hongkong schlossen sehr fest. Der Nikkei-Leitindex für 225 führende Werte in Tokio verbesserte sich bis Handelsschluss um 2,47 Prozent auf 12 260,44 Punkte. Der breit gefasste TOPIX gewann ebenfalls deutlich um 2,81 Prozent auf 1196,30 Punkte hinzu.

Auch die europäischen Börsen eröffneten fest. Der europäische Leitindex EuroStoxx zog in den ersten Minuten um 1,16 Prozent auf 3600,01 Punkte an. Der Deutsche Aktienindex (DAX) gewann im frühen Handel 0,95 Prozent auf 6454 Zähler. Der MDAX stieg um 1,02 Prozent auf 8535 Zähler. Für den TecDAX ging es um 0,98 Prozent auf 723 Punkte hoch.

Auf die schwache Konjunktur in den USA und die andauernden Finanzmarktturbulenzen hatte die US-Notenbank am Dienstagabend erneut mit einer kräftigen Zinssenkung reagiert. Der US-Leitzins wurde um 0,75 Punkte auf 2,25 Prozent zurückgenommen. Der US-Leitindex Dow- Jones kletterte um 3,51 Prozent auf 12 392,66 Punkte. Für Erleichterung sorgten an der Wall Street auch Goldman Sachs und Lehman Brothers. Trotz eines massiven Gewinneinbruchs im ersten Quartal sind die zwei großen US-Investmentbanken von der Kreditkrise bisher weniger getroffen als befürchtet.

In Hongkong legte der Hang-Seng-Index um fast 2,3 Prozent auf 21 866,94 Punkte zu. Auch die Börse in Bombay tendierte deutlich fester. In Sydney schoss der ASX200-Index um 3,6 Prozent in die Höhe und lag am Ende damit bei 5289 Zählern. Gleichzeitig warnte Finanzminister Wayne Swan, dass die australische Wirtschaft die Turbulenzen an den Weltmärkten zu spüren bekomme. "Die trüber werdenden globalen Wachstumsprognosen sind ein großes Risiko für Australien", sagte er. "Das australische Finanzsystem ist ohne Zweifel betroffen." Die Zentralbank hatte die Leitzinsen vergangene Woche wegen steigender Inflation zum zwölften Mal in Folge angehoben. Mit 7,25 Prozent sind die Leitzinsen so hoch wie seit 1995 nicht mehr.

Die dramatische Lage auf den Finanzmärkten ist nach Einschätzung von Wirtschaft-Nobelpreisträger Joseph Stiglitz die schlimmste Krise seit der großen Depression der 30er Jahre. Auch die jüngste Leitzinssenkung in den USA werde daran wenig ändern, sagte der frühere Wirtschaftsberater von US-Präsident Bill Clinton am Mittwoch. "Die Zinssenkung wird die Blutung ein bisschen aufhalten, aber sie geht nicht auf die grundlegenden Probleme ein, die zum Zusammenbruch des Finanzsektors führen", sagte Stiglitz dem neuseeländischen Rundfunk.

Stiglitz kritisierte die zögerliche Haltung der US-Regierung. Die Regierung sollte den zwei Millionen amerikanischen Familien helfen, die Gefahr liefen, ihre Häuser zu verlieren, weil sie die Hypothekenzinsen nicht mehr zahlen können, forderte er. Der US- Notenbank warf er Misswirtschaft vor. Sie hätte die riskante Kreditvergabe zahlreicher Banken verhindern können, meinte Stiglitz.

Beim US-Ölpreis ist es am Mittwoch zu Abschlägen gekommen. Ein Barrel (159 Liter) der Referenz-Sorte West Texas Intermediate (WTI) wurde am Morgen mit 107,25 Dollar gehandelt. Das waren 1,25 Dollar weniger als zum Handelsschluss am Vortag. Der Rekordstand vom Montag mit 111,97 Dollar ist damit etwas in die Ferne gerückt. Die Stärke des Euro zum Dollar hielt an. Am Mittwochmorgen stand der Euro bei 1,5760 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Dienstagmittag vor der US-Zinsentscheidung auf 1,5771 (Montag: 1,5770) Dollar festgesetzt.

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