Wall-Street-Ikonen stürzen reihenweise

- Washington - Wer immer noch geglaubt hat, Firmenbosse kämen bei Skandal und Betrug doch irgendwie davon, dürfte die jüngsten Urteile in den amerikanischen Wirtschaftsprozessen mit Genugtuung zur Kenntnis nehmen. Die Zeiten waren noch nie so schlecht für Wirtschaftskriminelle. Die Wall-Street-Ikonen der 90er-Jahre, als Supermänner gefeiert, stürzen reihenweise.

Dass die, die einst stolz von den Titelseiten der Wirtschaftsmagazine lächelten, die Finger in den Firmenkassen hatten und sich auf Kosten der Aktionäre ein luxuriöses Leben gönnten, sehen Ankläger nicht mehr als Kavaliersdelikt, von den Geschworenen ganz zu schweigen. "Während die Staatsanwälte sich früher von solchen Prozessen eingeschüchtert fühlten, reißen sie sich heute darum", sagte der frühere Ankläger David Pitofsky dem "Wall Street Journal". Ihre Erfolgsbilanz ist beträchtlich. Worldcoms Bernard Ebbers (63): schuldig, Tycos Dennis Kozlowski (58): schuldig, Adelphias John Rigas (80): schuldig, und den einstigen Multi-Millionären drohen lange Gefängnisstrafen. Der Gründer der Kabelfernsehfirma Adelphia wurde zu 15 Jahren Haft verurteilt, dem bereits verurteilten Chef des Mischkonzerns Tyco drohen 30 Jahre hinter Gittern und der Boss des Telekom-Konzerns Worldcom wurde gestern in New York zu 25 Jahren Haft wegen Betrugs und Bilanzfälschung verurteilt.Jede Menge Manager aus der zweiten Reihe sind längst verurteilt und sitzen teils Strafen von mehr als 20 Jahren ab. Mit den Exzessen, die die Prozesse zu Tage förderten, haben die einst mächtigen Wirtschaftslenker lange vor den Urteilssprüchen Volkes Zorn auf sich gezogen. Kozlowskis golddurchwirkte Duschvorhänge für 6000 Dollar auf Firmenkosten machten Schlagzeilen, und die Eisskulptur eines Wodka pinkelnden Davids auf der zwei Millionen Dollar teuren Überraschungsparty für seine Frau auf Sardinien lieferte Endlos-Futter für die Late-Night-Shows. Der alte Rigas lebte in Saus und Braus, während er der Firma zwei Milliarden Dollar persönliche Schulden unterjubelte. Ebbers, der es vom Milchmann zum Millionär brachte, bereicherte sich zwar nicht unrechtmäßig. Aber auch er ließ sich vom Aufsichtsrat private Kredite über 400 Millionen Dollar genehmigen, während er Mitarbeitern die Trinkwassermaschinen im Flur als Sparmaßnahme streitig machte. Im Nachhinein klingt die Verteidigungsstrategie der Angeklagten fast naiv. "Idiotenboss-Strategie" nannten das Prozessbeobachter. Die Unternehmer wollten Glauben machen, dass sie von dem Betrug, der unter ihren Augen jahrelang von statten ging, keinen Schimmer hatten.

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