Wal-Mart zieht sich aus Deutschland zurück

- Düsseldorf - Mit dem Weltmarktführer Wal-Mart zieht sich erneut ein ausländischer Einzelhandelskonzern aus dem hart umkämpften deutschen Markt zurück. Achteinhalb Jahre nach dem Markteintritt gibt der US-Konzern Wal-Mart sein verlustreiches Deutschlandgeschäft an den Konkurrenten Metro ab.

Der führende deutsche Handelskonzern übernimmt für einen nicht genannten Preis 85 Selbstbedienungs-Warenhäuser, teilten beide Seiten in Düsseldorf und Bentonville (US-Staat Arkansas) mit. Die Metro will mit dem Zukauf die in Deutschland schwächelnde Tochter Real stärken. Sie schließt derzeit nicht aus, dass einzelne der Wal-Mart-Filialen geschlossen werden könnten.

Wal-Mart Germany erzielte im vergangenen Jahr mit bundesweit mehr als 11 000 Mitarbeitern einen Umsatz von rund 2 Milliarden Euro. Zum Geschäftsergebnis wurden keine Zahlen genannt. Wal-Mart Germany schreibt bereits seit dem Start Ende 1997 rote Zahlen. Der US- Konzern hatte zunächst 21 Wertkauf-Märkte und ein Jahr später 74 Interspar-Märkte übernommen.

Der Markteintritt des weltgrößten Handelskonzerns löste auch Spekulationen aus, Wal-Mart könnte die die Metro AG schlucken und damit über Nacht Branchenprimus werden. Im deutschen Lebensmittelhandel brach eine Preiskampfwelle aus. Der Schlagabtausch rief damals die Wettbewerbshüter auf den Plan. Nun wirft der US-Konzern das Handtuch. "Es wurde zunehmend klarer, dass wir in dem deutschen Handelsumfeld nicht die Ziele erreichen können, die wir uns gesetzt haben", erklärte Wal-Mart-Deutschland-Chef Michael Duke.

Erst im Mai des vergangenen Jahres hatte sich der französische Handelskonzern Intermarché mit dem Verkauf von Spar und Netto vom umkämpften deutschen Markt zurückgezogen und war auf diese Weise einen Verlustbringer losgeworden. Der deutsche Lebensmittelhandel gilt mit vielen Discountern als besonders umkämpft. Die Discounter haben einen Marktanteil von mehr als 40 Prozent errungen. "Dass sich der größte Einzelhändler der Welt zurückzieht, zeigt, wie schwer und wie hart das Einzelhandelsgeschäft in Deutschland ist", sagte ein Sprecher des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels (HDE).

Mit dem neuerlichen Zukauf für Real unterstreicht die Metro, dass sie an der Mönchengladbacher Tochter trotz Problemen festhält. Für 224 Millionen Euro kaufte die Metro zehn Tage zuvor für Real die polnischen Aktivitäten der französischen SB-Warenhauskette Géant. Die Real- und Extra-Märkte hatten der Metro im vergangenen Jahr die Konzernbilanz verhagelt. Auch im ersten Quartal 2006 schrieb die Sparte einen Verlust von 40 Millionen Euro, der Umsatz sank um sechs Prozent. Mit deutlichen Kostenreduzierungen soll Real in Deutschland möglichst rasch auf Vordermann gebracht werden. Die Übernahme der Wal-Mart-Filialen bringe deutliche Kostenvorteile.

"Wir erhöhen damit unsere Schlagkraft am Markt. Unser Umsatz- und Ertragspotenzial wird sich weiter erhöhen", sagte Metro-Chef Hans- Joachim Körber. "Wir wollen das Ladennetz so weit es geht erhalten", betonte er mit Blick auf die Wal-Mart-Filialen. "Schließungen sind aber nicht ausgeschlossen." Wal-Mart Germany selbst hatte bereits einzelne Filialen geschlossen und wollte weitere Schließungen prüfen. Die Integration in das bestehende Real-Netz soll bis Ende 2008 unter Dach und Fach sein. In großen Wal-Mart-Märkten wäre es denkbar, dass Metro-Konzerntöchter wie Media Markt mit einziehen.

Die Metro gab am Freitag gleichzeitig personelle Veränderungen an der Real-Spitze und im Konzernvorstand bekannt. Neuer Real-Chef wird demnach Andreas Riedel (47), der bisher Geschäftsführer der T-Punkt Vertriebsorganisation der Deutschen Telekom war. Die Position des Real-Chefs war etwa einem Jahr unbesetzt. Metro-Vorstandsmitglied Stefan Feuerstein (50) verlasse den Konzern. Er war als Vorstandsmitglied und für die Neuaufstellung von Real verantwortlich. Neu in den Vorstand der Metro AG rückt Frans Muller auf. Der 45-Jährige leite auch in der neuen Position den internationalen Wareneinkauf.

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