Walter Bau ist pleite: Nur zwei Banken verweigerten ihre Hilfe

- München - Drei Jahre nach dem Fall Holzmann hat die heimische Baubranche eine neue Großpleite. Die Insolvenz der Augsburger Walter Bau gefährdet bis zu 12 000 Stellen. An den Baustellen ruht nun die Arbeit. Die Schuld am Aus wird einigen Banken zugewiesen.

<P>Walter Bau ist pleite. Der mit rund 9500 Mitarbeitern viertgrößte Baukonzern der Republik hat für seine Obergesellschaft beim Amtsgericht Augsburg mangels Liquidität einen Insolvenzantrag gestellt, teilte das Unternehmen nach dreiwöchigem Überlebenskampf mit. Dem Vernehmen nach fehlten zuletzt 150 Millionen Euro. Weil alle Sanierungsversuche in letzter Minute doch noch gescheitert sind, sehen die Augsburger im Schritt vor den Insolvenzrichter "die letzte Chance, wesentliche Teile des Konzerns und Arbeitsplätze zu erhalten". <BR><BR>Weg zum Insolvenzgericht eine letzte Chance<BR><BR>Geplatzt ist die zuletzt greifbar scheinende Rettung nach Darstellung mehrerer beteiligter Banken an überraschenden Nachforderungen zumindest zweier Kreditinstitute, der niederländischen Bank ABN Amro und der Berliner Bank. "Das hat uns das Genick gebrochen", urteilte ein Insider. So habe ABN Amro entgegen früherer Absprachen darauf bestanden, dass Gelder aus dem beabsichtigten Notverkauf von Walter-Konzernteilen nicht zur Sanierung des Bauunternehmens verwendet werden, sondern verschiedenen Banken zufließen. <BR><BR>Jüngste Gerüchte über neu aufgetauchte Liquiditätsprobleme von insgesamt 300 Millionen Euro dagegen bezeichneten unternehmensnahe Kreise als falsch. Auch sei Konzerngründer Ignaz Walter nach seinem Rücktritt als Aufsichtsratschef zu weiteren Opfern bereit gewesen. "Es war nicht einfach, ihn zu überzeugen", sagte ein Vertrauter. Aber der 68-Jährige habe sich letztlich verpflichtet, knapp die Hälfte seines 57-prozentigen Aktienpakets an Walter Bau abzutreten. Für 4000 Mitarbeiter des Konzerns kommt diese Bereitschaft zu spät. Operative Tochtergesellschaften mit nochmals gut 5000 Beschäftigten seien von der Pleite aber nicht unmittelbar betroffen, so der Baukonzern.<BR><BR>Bei Zulieferern dürfte das Aus indessen bis zu 8000 weitere Arbeitsplätze akut gefährden, schätzen Branchenkenner. An allen Baustellen ruhe derzeit die Arbeit, sagte ein Konzernsprecher. Als wichtigste Aufgabe des zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellten Werner Schneider gilt es nun, die Baustellen rasch wieder in Gang zu setzen.<BR><BR>Damit haben die Rettungsversuche eine dramatische Wendung erfahren. Denn noch zu Wochenanfang hatten alle Beteiligten große Zuversicht signalisiert. Auch auf Vermittlung von Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement und seinem bayerischen Kollegen Otto Wiesheu war es nach hartem Ringen gelungen, skeptische Banken zum Einlenken zu bewegen. Dabei ging es um ein Bürgschaftsvolumen von insgesamt 1,5 Milliarden Euro. Bürgschaften sind in der Baubranche üblich, um Großprojekte abzusichern.<BR><BR>Weitere gut 200 Millionen Euro hatten die Banken in Form von Krediten an die Augsburger verliehen. "Wir waren schon auf der Zielgeraden", sagte ein Insider. Deren Nachforderungen wären einer Enteignung nahe gekommen. Bei den Bürgschaften hätten nun Banken ihre mündlichen Zusagen wieder zurückgezogen, ergänzte ein Banker. Mit der Weigerung vor allem von ABN Amro seien die Sanierungsbemühungen wieder an den Anfang zurückgeworfen, meinten Beteiligte resigniert.<BR><BR>ABN Amro der hartnäckigste Gegner</P><P>Weil viele Zulieferer angesichts der Diskussionen nur noch gegen Vorauskasse liefern und an neue Aufträge angesichts der Lage nicht zu denken ist, sei der Insolvenzantrag die letzte Konsequenz. ABN Amro als härtester Gegner war dem Vernehmen nach nur mit einer relativ kleinen Summe von 50 Millionen Euro mit von der Partie. Weil alle Beschlüsse einstimmig fallen müssen, reicht die Weigerung eines einzigen Instituts, um den gesamten Bankenpool zum Platzen zu bringen. <BR><BR><BR></P>

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