Walter-Bau-Mitarbeiter demonstrieren

- Augsburg - Über 1000 Beschäftigte des zusammengebrochenen Walter-Bau-Konzerns haben am Montag in Augsburg für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze demonstriert. Karl Heinz Strobl vom Vorstand der Gewerkschaft IG BAU warf dem vorläufigen Insolvenzverwalter Werner Schneider Wortbruch und Betrug vor. Entgegen den Versprechungen seien die meisten der 9000 Stellen im Konzern akut gefährdet. Er forderte Schneider zu Nachverhandlungen auf. An den bevorstehenden Gipfel von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) mit CDU-Parteichefin Angela Merkel richtete Strobl den Appell, die öffentlichen Investitionen in den Bausektor zu erhöhen und so Arbeitsplätze zu sichern.

<P>Die österreichische Strabag, die einen Großteil des Konzerns übernimmt, dementierte einen Kahlschlag. Die Strabag wolle in ihrem Bereich weiter mindestens 3000 Arbeitsplätze erhalten, sagte Finanzvorstand Thomas Birtel der dpa. "Wie die Aussagen zu Stande kommen, dass nur ein Bruchteil dessen gehalten werden kann, was versprochen wurde, kann ich nicht nachvollziehen." Der Zusammenbruch des Walter-Bau-Konzerns zog am Montag eine weitere Pleite nach sich. Die in Augsburg ansässige Baugeräte Service GmbH mit bundesweit rund 500 Arbeitsplätzen stellte nach Angaben der IG BAU Insolvenzantrag.</P><P>Dem einst drittgrößten deutschen Baukonzern brechen wegen der ungewissen Lage die Aufträge weg. Die insolvente Walter Bau-AG hat als Herzstück des Konzerns laut Gesamtbetriebsratschef Karl Bauer Aufträge in Höhe von rund 400 Millionen Euro verloren. Vor der Insolvenz habe der Auftragsbestand rund 650 Millionen Euro betragen, jetzt seien davon nur noch rund 250 Millionen übrig, sagte er.</P><P>Bauer zeigte sich pessimistisch. "Von den rund 3900 Arbeitsplätzen bei der Walter Bau-AG werden nur noch 700 übrig bleiben." Insgesamt seien 4000 Arbeitsplätze durch die Insolvenz gefährdet. Dieser "brutale Kahlschlag" sei nicht akzeptabel. Laut Bauer soll über eine Beschäftigungsgesellschaft den von der Kündigung bedrohten Arbeitern eine Lohnfortzahlung von sechs bis acht Monate gesichert werden.</P><P>Die Strabag übernimmt unter anderem den Verkehrswegebau des Walter-Konzerns und Auslands-Aktivitäten. Dabei wollten die Österreicher laut ersten Ankündigungen 4100 Arbeitsplätze erhalten, das Versprechen wurde aber bereits auf mindestens 3000 Stellen abgeschwächt, darunter 800 Jobs bei der Walter Bau-AG und insolventen Töchtern. Wie viele Arbeitsplätze die Betriebsteile, die nun von Strabag übernommen werden, ursprünglich hatten, gab das Unternehmen nicht bekannt.</P><P> In jedem Fall aber ist davon auszugehen, dass noch weitere Arbeitsplätze erhalten werden können. So wird noch nach einem Käufer für das profitable Tochterunternehmen Dywidag Systems International (DSI) gesucht.<BR>Von der Hauptverwaltung in Augsburg sollen keine Mitarbeiter übernommen werden, sagte Bauer. Strabag-Finanzvorstand Birtel sagte dazu: "Wir haben nur das operative Geschäft übernommen, keine Verwaltungen."</P><P>Die Strabag mit einer jährlichen Bauleistung von rund 5,6 Milliarden Euro beschäftigt rund 33 000 Mitarbeiter in Österreich, Deutschland und osteuropäischen Ländern. Strabag ist auch an einer Übernahme des Stuttgarter Züblin-Konzerns interessiert. Die Mehrheit liegt bisher bei der insolventen Walter Bau-AG. Der Bieter-Wettstreit um Züblin könnte sich aber noch einige Zeit hinziehen, da auch die Mitgesellschafter von der Familie Lenz ihr Interesse bekundet haben. "Es ist noch keine Entscheidung gefallen", wurde am Montag in Gläubigerkreisen betont. <BR></P>

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