Walter-Pleite: Streit um Rolle der Bahn

- Augsburg - Hat die Bahn Walter Bau in die Pleite getrieben? Vieles spricht dafür, dass die Zahlungsmoral des ehemaligen Staatsunternehmens ihren Anteil daran hat, dass Walter Bau Insolvenz anmelden musste. Doch die Bahn ist nicht der einzige säumige Zahler in Deutschland.

<P>Von einem "schlimmen Spiel" sprach Karl-Heinz Strobl, Vorstandsmitglied der Gewerkschaft IG Bau und Walter-Bau-Aufsichtsrat, im Bayerischen Rundfunk. Großaufträge seien bereits "seit Jahren erledigt", doch das Geld fließe nicht. "Was bei uns derzeit auf dem Baumarkt passiert mit dieser Zahlungsmoral, das macht jedes seriöse Unternehmen kaputt."<BR><BR>Das will Bahnchef Hartmut Mehdorn nicht auf sich sitzen lassen. Er sprach von übler Nachrede. "Wir haben uns genau an die vereinbarten Zahlungsziele gehalten."<BR><BR>Doch das Problem ist nicht, was gezahlt werden muss. Im Bau und verwandten Branchen ist es Usus geworden angebliche oder tatsächliche Baumängel geltend zu machen und die Zahlung zu verzögern, bis eine rechtskräftige Entscheidung gefallen ist. Mit etwas Glück lässt sich der Beklagte auf einen Vergleich ein und verzichtet auf einen Teil seines Geldes, um in absehbarer Zeit überhaupt etwas zu bekommen.<BR><BR>Auch zahlreiche Handwerker sind von diesen verkommenen Geschäftsmethoden betroffen. Doch kaum jemand interessiert sich dafür, wenn sie pleite gehen. Nicht nur die Bahn, auch zahlreiche Gemeinden - in der Vergangenheit eine Stütze zahlreicher Betriebe - gelten mittlerweile als streitlustige und vor allem säumige Zahler.<BR><BR>Bahnchef Hartmut Mehdorn räumte die übliche Praxis indirekt sogar ein: Wenn die Bahn offene Rechnungen bei Walter Bau habe, dann deshalb, weil vor Gericht darüber gestritten werde, sagte er. "Selbst wenn Walter Bau alle Prozesse gewinnen sollte, was unwahrscheinlich ist, handelt es sich um eine Summe von 30 bis 40 Millionen Euro."<BR><BR>Die Zahl wird in Branchenkreisen für einen schlechten Scherz gehalten. Allein bei den vier wichtigsten Prozessen liege der Streitwert über 100 Millionen Euro, heißt es. Mehr als ein Viertel der Außenstände von 450 Millionen Euro, an denen der insolvente Baukonzern leidet, lässt sich nach Schätzungen der Branche auf unbezahlte Bahn-Rechnungen zurückführen.<BR><BR>Allerdings gehört auch Walter Bau nicht gerade zu den besten Zahlern in der Bau-Branche. Das macht auch die Bahn geltend. Zahlungen, die der Konzern für die Leistungen von Subunternehmern eingenommen hat, wurden einbehalten und nicht weitergereicht. Die Bahn will nun die Subunternehmer direkt bezahlen.<BR>Auch Michael Knipper, Geschäftsführer des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie bestätigt die "schlechte Zahlungsmoral der öffentlichen Hand" als einen Grund für den Finanzengpass bei Walter Bau. Doch auch die Banken stehen in der Kritik.<BR><BR>"Die Kreditklemme durch die Banken ist ein Problem", sagte der Berliner Wirtschafts-Staatssekretär Rezzo Schlauch. "Dort geht man viel zu restriktiv vor." Gewerkschafter Strobl sagt: "Der Konkurs war nicht notwendig." Die Banken seien nicht bereit, Verantwortung zu übernehmen. Auch Bayerns Wirtschaftsminister Otto Wiesheu übte Kritik. Der Konzern sei "wegen mangelnder Liquidität in den schlimmsten Schwierigkeiten, obwohl dem große Vermögenswerte entgegenstehen".<BR></P><P> </P>

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