Warenhäuser müssen um Zukunft kämpfen

Berlin - Die Flaggschiffe des Handels sind in schwerer See. Nicht erst seit der Existenzkrise bei Hertie müssen die klassischen Warenhäuser in den Fußgängerzonen und Einkaufsstraßen um ihre Zukunft kämpfen.

Zwischen aggressiven Discountern, edlen Boutiquen und großflächigen Shoppingzentren ist manch alteingesessener Generalist mit breitem Sortiment ins Hintertreffen geraten. Um das Geschäft anzukurbeln, setzen die Platzhirsche Karstadt und Kaufhof auf Renovierungen und neue Angebotskonzepte - und wollen in den Großstadthäusern an die Tradition der exklusiven Konsumpaläste anknüpfen. In Zeiten verbreiteter Inflationssorgen ist der Kampf um die Kunden für die gesamte Branche aber nicht leichter geworden.

Für die Riege der Kauf- und Warenhäuser geht es erst einmal darum, einen hartnäckigen Abwärtstrend zu stoppen. Ihr Marktanteil - einst bei stattlichen zwölf Prozent - schmolz mehr und mehr zusammen und liegt jetzt noch bei 3,3 Prozent, wie der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels mitteilte. Im Gegenzug bauten besonders Fachmärkte (13,7 Prozent) und Discounter (13,3 Prozent) ihre Position aus. Als schlagkräftige Konkurrenz formieren sich zudem die Einkaufszentren, die nach einem Trend zur "grünen Wiese" auch in die Innenstädte drängen. Knapp 400 Center mit diversen Fachgeschäften gibt es schon. Und bis Anfang nächsten Jahres sind 15 weitere in Planung, wie das Kölner Handelsforschungsintitut EHI ermittelte.

Dahinter steht auch ein Wandel des Einkaufsverhaltens vieler Kunden, der Warenhäuser mit ihrem massentauglichen Sortiment ins Abseits geraten ließ. Zu Gewinnern wurden dagegen Billigmärkte, ebenso wie Läden mit einem gewissen Luxus. "Das Konzept "Alles unter einem Dach" hat sich aber keineswegs überlebt", sagt Marco Atzberger, Mitglied der EHI-Geschäftsleitung, und verweist auf den Boom der Shoppingcenter. "Anbieter, die in der Mitte stehen, wie bisher viele Warenhäuser, müssen sich jedoch neu orientieren."

Die Richtung haben die Kaufhauskonzerne schon eingeschlagen. "Wir heben unser Angebot auf ein höheres Niveau", gab Kaufhof-Chef Lovro Mandac als Maxime aus. Die "Galeria"-Standorte als Aushängeschilder des Unternehmens sollen sich demnach als "Warenhaus mit Fachgeschäftscharakter und Lifestyle-Kompetenz" positionieren. Das heißt mit "internationalen Marken" und Preisen der Kategorie "Mitte bis obere Mitte". Konkurrent Karstadt geht einen ähnlichen Weg und formierte eine "Premium Group" um das berühmte Kaufhaus des Westens (KaDeWe) in Berlin und das gediegene Hamburger Alsterhaus.

Zum Vorbild nehmen sich die Planer dabei auch ein Erfolgsrezept der Einkaufszentren, in denen sich Läden mit bekannten Namen aneinanderreihen. Nach dem Prinzip "Geschäft im Geschäft" locken große Warenhäuser inzwischen mit bis zu 200 eigens gestalteten "Markenshops" für Uhren, Schuhe oder Designermode. Mit zur Offensive gehört denn auch eine Modernisierung der teils sichtlich in die Jahre gekommenen Gebäude. Als Karstadt im Frühjahr in Essen den "Prototyp seiner neuen Warenhausgeneration" eröffnete, bedeutete dies Granitstein und Parkett, großzügigere Wege durch die Verkaufsflächen und Monitore mit elektronischen Etagenplänen. Für 110 Millionen Euro brachte Kaufhof bereits vor zwei Jahren sein größtes deutsches Galeria-Haus am Berliner Alexanderplatz in Schuss - und rühmt seitdem nicht nur den "kuppelgekrönten Lichthof", sondern auch den mit 23 Metern breitesten Haupteingang aller deutschen Warenhäuser.

Die Aufwertungsstrategie zielt jedoch vor allem auf die Metropolen mit ihrer kaufkräftigen Kundschaft und vielen Touristen. "Das funktioniert nicht an allen Standorten", sagt auch Helmut Merkel, Präsident des Handelsverbands BAG. Jenseits der Ballungsräume ist das Schicksal mancher kleinen Kaufhäuser unsicher, die zugleich Publikumsmagneten für andere Läden in den Innenstädten sind. Am Ende sei die Ära des Warenhauses dennoch nicht, wie Merkel meint: "Das hören wir seit 100 Jahren."

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