Warnstreiks begleiten VW-Tarifverhandlungen

- Hannover - Im festgefahrenen Tarifkonflikt beim Autobauer Volkswagen hat Bundespräsident Horst Köhler die Parteien zu einer schnellen Einigung aufgerufen. "Ich denke, dass wir alle ein Interesse daran haben, dass der Konflikt möglichst bald beigelegt wird", sagte Köhler bei einem Besuch in Hannover. Die Tarifverhandlungen für die 103 000 Beschäftigten in den sechs westdeutschen VW-Werken wurden am frühen Nachmittag in Hannover fortgesetzt. Vor der sechsten Runde hatte die IG Metall ihre Warnstreiks ausgeweitet.

<P>Mehr als 15 000 VW-Beschäftigte beteiligten sich nach Gewerkschaftsangaben an befristeten Arbeitsniederlegungen. Vor Beginn der möglicherweise entscheidenden sechsten Tarifrunde drohte IG-Metall-Verhandlungsführer Hartmut Meine mit weiteren Warnstreiks. "Wenn es keine Einigung gibt, wird es morgen wieder Warnstreiks geben", sagte Meine. "Ich hoffe, dass wir heute möglicherweise einen Schritt aufeinander zugehen." Die Gewerkschaft wolle Druck erzeugen und zugleich zielorientiert verhandeln.</P><P>VW-Verhandlungsführer Josef-Fidelis Senn sagte vor Beginn der sechsten Runde, er erwarte, dass die Tarifparteien den "großen Schritt" zur Kostensenkung vereinbaren könnten, "der nötig ist, um über eine Beschäftigungsgarantie weiter zu sprechen". Senn: "Dazu muss es aber noch eine größere Bewegung geben als bisher."</P><P>Unterdessen wird der Ton bei den VW-Beschäftigten schärfer. Mit Plakaten und Trillerpfeifen beteiligten sich am Montag allein vor den Toren des Braunschweiger VW-Werks 3000 Beschäftigte von 5 bis 9 Uhr an einem Warnstreik: "Wir sind bereit, für unsere Arbeitsplätze und den Haustarifvertrag zu kämpfen", sagte Stefan Hölzer, Vorsitzender der Vertrauensleute. Auch in den VW-Werken Emden, Kassel und Salzgitter gab es Warnstreiks.</P><P>Die Tarifverhandlungen waren bisher ergebnislos verlaufen. Die IG Metall will vor allem eine mittelfristige Garantie der Arbeitsplätze an den deutschen Standorten durchsetzen. Außerdem verlangt die Gewerkschaft zwei Prozent mehr Lohn. Volkswagen will dagegen mindestens zwei Jahre eine Nullrunde fahren, um die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens zu erhalten. Zudem will VW die Arbeitskosten bis 2011 um rund zwei Milliarden Euro oder 30 Prozent senken. </P><P>Dazu hat der Konzern ein Sieben-Punkte-Programm vorgelegt, das unter anderem zwei Jahre ohne Lohnerhöhungen sowie niedrigere Einstiegsgehälter vorsieht. Im Gegenzug verspricht der Konzern, dass in Deutschland keine Jobs abgebaut werden. Die IG Metall fordert bisher 2 Prozent höhere Löhne, bietet aber Abschläge für neu Eingestellte an. Sie will die Jobgarantie im Tarifvertrag verankern. VW-Personalvorstand Peter Hartz rief die Gewerkschaft zu einer Verhandlungslösung auf, drohte aber auch mit einem dramatischen Personalabbau, falls es längere Streiks geben sollte.</P>

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