Tarif-Konflikt: Heftige Kritik der Arbeitgeber

Erste Warnstreiks der IG Metall

Ingolstadt/Augsburg/München - Nach dem Scheitern der bisherigen Tarifgespräche haben rund 4500 Beschäftigte der Metall- und Elektroindustrie in Bayern in der Nacht zum Samstag zeitweise ihre Arbeit niedergelegt.

Rund 4000 Mitarbeiter des Autobauers Audi in Ingolstadt sowie 500 bei der Siemens-Licht-Tochter Osram und bei MAN Diesel in Augsburg beteiligten sich nach Gewerkschaftsangaben an den Warnstreiks. Die IG Metall fordert acht Prozent mehr Lohn. Die Arbeitgeber haben bislang 2,1 Prozent und eine Einmalzahlung von 0,8 Prozent für die Monate November und Dezember 2008 geboten. Der bayerische IG-Metall-Chef Werner Neugebauer bezeichnete diesen Vorschlag als “Micky-Maus-Angebot“.

Das Angebot gehe weit an der Wirklichkeit vorbei, kritisierte auch der Vorsitzende des Audi-Gesamtbetriebsrats, Peter Mosch. “Wir arbeiten hart für unser Geld bei Audi. Deshalb wollen wir am wirtschaftlichen Fortschritt beteiligt werden.“ Der Hauptgeschäftsführer des Verbands der Bayerischen Metall- und Elektro-Industrie (VBM), Bertram Brossardt, bezeichnete das Angebot dagegen als “angesichts des Konjunkturabschwungs fairen Lösungsvorschlag“.

Es gebe keinen Grund, darauf mit Warnstreiks, die ein völlig veraltetes, überflüssiges und schädliches Ritual seien, zu reagieren.

Am Freitag war die dritte Runde der Tarifverhandlungen für die 750 000 Beschäftigten der bayerischen Metall- und Elektroindustrie in Bamberg nach nur einer Stunde ohne Ergebnis abgebrochen worden. In der Nacht zum Samstag hatten daraufhin rund 4000 Beschäftigte der Nachtschicht beim Autobauer Audi in Ingolstadt für rund zwei Stunden die Arbeit niedergelegt. Mit Fackeln formierten sie eine Acht, um ihrer Forderung nach acht Prozent mehr Lohn Nachdruck zu verleihen.

Auch bei der Siemens-Licht-Tochter Osram in Augsburg ruhte die Arbeit vorübergehend. Hier gingen nach Gewerkschaftsangaben mehr als 100 Beschäftigte auf die Straße. Bei MAN Diesel trafen sie sich mit Beschäftigten des Dieselmotorenherstellers zu einer Kundgebung, an der laut IG Metall insgesamt etwa 500 Menschen teilnahmen. Hier hatte die Gewerkschaft einen leuchtenden Heißluftballon organisiert, auf dem ebenfalls die Forderung nach acht Prozent mehr Lohn prangte.

Neugebauer kündigte auf der nächtlichen Protestveranstaltung weitere Warnstreiks an. “Die Wucht der Warnstreiks wird massiv sein.“ Allein in Bayern könnten in den nächsten zehn Tagen mehr als 200 Betriebe mit mehr als 100 000 Beschäftigten betroffen sein. Dann könnten sich die Warnstreiks auch über mehrere Stunden hinziehen.

Trotz der verhärteten Fronten setzen beide Seiten nach wie vor auf eine Lösung am Verhandlungstisch. Eine Einigung wird auch vom Ergebnis der weiteren Verhandlungen im Pilotbezirk Baden-Württemberg abhängen. Falls es bis zum 10. November nicht zu einem Abschluss kommt, will der Vorstand der IG Metall entscheiden, ob er seine Mitglieder zu einer Urabstimmung über Streikmaßnahmen aufruft.

Wenn die Arbeitgeber nicht bis Mitte November deutlich signalisieren, dass sie an einer vernünftigen Verhandlungslösung interessiert sind, zwingen sie die IG Metall, ihre Mitglieder zu fragen, ob sie bereit sind, diese Forderung auch durchzusetzen“, sagte Neugebauer.

dpa

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