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Außer Gefecht gesetzt: Kommt heute kein „drastisch geändertes Angebot“ von Seiten der Bahn an die Gewerkschaften Transnet und GDBA , wollen die Eisenbahner am Donnerstag zeitweise ihre Arbeit niederlegen.

Tarifstreik bei der Bahn

Warnstreiks sollen Bewegung bringen

Berlin/Frankfurt - Der Tarifkonflikt bei der Bahn geht in eine neue Runde: Morgen wollen die Gewerkschaften Transnet und GDBA mit ersten bundesweiten Warnstreiks auffahren.

Im Tarifkonflikt bei der Deutschen Bahn setzen die Gewerkschaften den ersten Nadelstich. Morgen sollen Warnstreiks zusätzlichen Druck für die Verhandlungen aufbauen, wie die beiden großen Arbeitnehmerorganisationen Transnet und GDBA ankündigten. "Es sei denn, der Arbeitgeber kommt uns drastisch entgegen und macht noch ein Angebot, das unseren Kernforderungen nachkommt", sagte Transnet-Chef Alexander Kirchner gestern.
Wenn nicht, müssen sich Fahrgäste quer durch die Republik wieder auf Behinderungen einstellen - wann und wo, soll aber erst am heutigen Mittwoch bekanntgegeben werden. Zu den Aktionen der Marke "spürbar und steigerungsfähig" seien Eisenbahner diverser Bereiche aufgerufen, hieß es (siehe Kasten).

Für Bahn-Personalvorstand Norbert Hansen - zuvor lange Jahre Transnet-Boss - erhöht sich damit die Betriebstemperatur bei seiner ersten Tarifrunde auf der anderen Seite. Er halte den Aufruf zu Arbeitsniederlegungen für unangemessen, schrieb Hansen nach Informationen der Presseagentur dpa gestern an die Spitzen der beiden Gewerkschaften. "Deshalb bitten wir Sie, diesen Schritt im Interesse unserer Kunden und angesichts unseres erklärten Einigungswillens zu überdenken."
Stoßrichtung der Arbeitsniederlegungen seien die festgefahrenen Verhandlungen beim Streitthema Arbeitszeiten, erklärten Transnet-Chef Kirchner und der GDBA-Vorsitzende Klaus-Dieter Hommel. Seit dem Auftakt der Gespräche am 14. Januar habe der bundeseigene Konzern dazu keine akzeptablen Angebote auf den Tisch gelegt. Dabei stehe die Planbarkeit des Einsatzes bei den Beschäftigten diesmal "ganz oben auf der Agenda".
Eine der wichtigsten Forderungen lautet denn auch, dass es mindestens zwölf freie Wochenenden im Jahr geben solle. In puncto Einkommen verlangen die Gewerkschaften zudem zehn Prozent mehr Geld für rund 130 000 Beschäftigte. Die Bahn hat bisher jeweils ein Prozent für 2009 und 2010 sowie Einmalzahlungen in Aussicht gestellt.
Dass Transnet und GDBA als Erste zu Warnstreiks aufrufen, setzt aber auch ein Signal an die konkurrierende Lokführergewerkschaft GDL, die aktuell 6,5 Prozent mehr Lohn fordert. Die kleinste der drei Arbeitnehmerorganisationen hatte der Bahn in der vorigen Runde eine beispiellose Tarifschlacht geliefert - auf ihr Konto ging auch der vorerst letzte Streik im November 2007. GDL-Chef Claus Weselsky gibt sich aktuell sehr zurückhaltend. Warnstreiks stehen hier nicht an.

Bahnkunden müssen wieder bangen

-Welche Dimension haben die Warnstreiks der Gewerkschaften?
Warnstreiks werden im Unterschied zu regulären Streiks während laufender Tarifverhandlungen angesetzt und sind meist auf wenige Stunden oder eine Schicht beschränkt. "Wir werden nicht die ganze Republik lahmlegen", sagte Transnet-Chef Alexander Kirchner gestern. Außerdem betonte er, dass man Reisende so wenig wie möglich treffen wolle.

-Wo gibt es Informationen?
Die Deutsche Bahn schaltet ab heute (Mittwoch) um 10 Uhr ein kostenloses Info-Telefonunter der Nummer 08000 99 66 33 für Reisende frei. Sobald die Gewerkschaften Angaben zu den von Streiks betroffenen Regionen und Uhrzeiten machen, will die Bahn über mögliche Behinderungen oder Ersatzzüge informieren. Kunden sollen darauf etwa mit Durchsagen auf den Bahnhöfen und im Internet unter www.bahn.de/aktuell hingewiesen werden.

-Stehen Bahnkunden Entschädigungen zu?
Wer wegen streikbedingter Zugausfälle oder Verspätungen die Reise nicht antreten kann, kann sich die Tickets bis zum 15. Februar kostenlos erstatten lassen, teilte der Bahnkonzern gestern mit. Wer allerdings einen Flug wegen verspäteter Züge verpasst, kann nicht mit Entschädigung rechnen, warnt die Schlichtungsstelle Mobilität.

-Was passiert, wenn Bahnkunden zu spät zur Arbeit kommen?
Arbeitnehmer sind selbst dafür verantwortlich, pünktlich am Arbeitsplatz zu erscheinen. Sie müssen zumutbare Vorkehrungen treffen, um zur Arbeit zu kommen. Das bedeutet etwa, aufs Auto auszuweichen, mit dem Rad zu fahren oder Fahrgemeinschaften zu bilden. Ist eine Verspätung nicht zu vermeiden, ist es wichtig, Bescheid zu geben.

dpa

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