Warnstreikwelle in der Metallindustrie

- Hamburg - Nach der ersten Warnstreikwelle nach Auslaufen der Friedenspflicht um Mitternacht hat die IG Metall für Mittwoch eine erhebliche Ausweitung der Aktionen angekündigt. Allein in Bayern hat die Gewerkschaft 9500 Beschäftigte in 15 Betrieben aufgerufen, im Tagesverlauf vorübergehend die Arbeit niederzulegen.

Die größten Aktionen sollen bei BMW in Regensburg und beim Hausgerätehersteller Bosch Siemens in Dillingen stattfinden. "Wir wollen nicht nur psychologischen, sondern auch ökonomischen Druck entfalten", sagte der IG-Metall-Bevollmächtigte Horst Lischka.

In Niedersachsen sollen die Warnstreiks auf sechzehn weitere Betriebe ausgedehnt werden, unter anderem Miele in Lehrte, Bosch Blaupunkt in Hildesheim und Siemens in Braunschweig. In RheinlandPfalz ist unter anderem ein Warnstreik bei DaimlerChrysler in Wörth mit mehreren tausend Teilnehmern geplant. In Hamburg wollen bei der Traditionswerft Blohm & Voss die Mitarbeiter am Mittwochmorgen für zwei Stunden die Arbeit niederlegen. Auch in Hessen, BadenWürttemberg und vor allem in Nordrhein-Westfalen sollen die Warnstreiks ausgedehnt werden.

Bereits mit Ende der Friedenspflicht Punkt Mitternacht hatten bundesweit über 10 000 Metaller mit ersten Warnstreiks der Forderung nach fünf Prozent mehr Lohn und Gehalt Nachdruck verliehen. Ganze Nachtschichten legten nach Angaben der IG Metall zeitweise die Arbeit nieder und versammelten sich zu Kundgebungen. Die Gewerkschaft zeigte sich mit der Beteiligung sehr zufrieden. Die Beschäftigten erwarteten endlich ein vernünftiges Angebot, hieß es.

Allein vor den Ford-Werken in Saarlouis kamen rund 3000 Menschen aus etwa zehn Betrieben zu einer zentralen Kundgebung zusammen und ließen die Produktion mehr als eine Stunde lang stillstehen. Unter dem Motto "Feuer und Flamme für fünf Prozent" forderten sie bei der bundesweit größten Aktion von den Arbeitgebern Bewegung im Streit um mehr Lohn und Gehalt. IG-Metall-Chef Jürgen Peters sagte: "Es geht nicht nur um fünf Prozent, sondern auch um die Frage, ob wir uns wehren gegen einen ungezügelten Kapitalismus."

Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt kritisierte die Aktionen. Die Warnstreiks erschwerten einen Tarifabschluss, sagte Hundt der "Berliner Zeitung" (Mittwoch). Die IG Metall setze "offen auf Eskalation, anstatt konstruktiv am Verhandlungstisch eine Lösung in der Tarifrunde zu suchen".

Ein weiterer Schwerpunkt der Aktionen war Nordrhein-Westfalen, wo sich nach Angaben der IG Metall 1900 Metaller in sieben Betrieben an der ersten Warnstreikwelle beteiligten. Auch in Bayern, Hessen, Baden-Württemberg, Niedersachsen, Berlin, Schleswig-Holstein und Rheinland-Pfalz kam es direkt nach Ablauf der Friedenspflicht zu befristeten Arbeitsniederlegungen.

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