EU warnt vor gefälschter Arznei und Kosmetik

Brüssel - Die Europäische Kommission warnt die Bürger vor einem wachsenden Angebot an gefälschter Arznei und Kosmetik. Die Zöllner in Europa hätten im vergangenen Jahr gut dreimal mehr nachgemachte Kosmetik sichergestellt als 2006, sagte EU-Steuerkommissar Laszlo Kovacs.

Die Zahl der beschlagnahmten Medikamente habe um 51 Prozent zugelegt. "Das ist eine ernsthafte Bedrohung für die Gesundheit, die Sicherheit und das Leben der Verbraucher", sagte Kovacs.

Neben Potenzmitteln würden besonders häufig Pillen gegen hohe Blutfettwerte und die Knochenkrankheit Osteoporose gefälscht. Insgesamt wurden 6,1 Millionen Kosmetik-Artikel und über 4 Millionen Tabletten und andere Medikamente beschlagnahmt. "Wir stellen neue, alarmierende Tendenzen fest", erläuterte Kovacs.

Auch bei Spielzeug gebe es Grund zur Sorge. Hier lag der Zuwachs an Fälschungen 2007 bei 98 Prozent. Insgesamt schlugen die Zöllner an Europas Grenzen 2007 rund 43 000 Mal zu. 2006 hatten die Behörden 37 000 Fälle gezählt.

Die Zahl sichergestellter Artikel ging insgesamt auf 79 Millionen zurück - 2006 hatten die Beamten noch die Rekordzahl von 128 Millionen Produkten beschlagnahmt. Ein Grund für den Rückgang war laut Kommission, dass weniger Waren mit großer Stückzahl wie zum Beispiel Zigaretten oder DVDs auffielen. Doch auch bei anderen Gütern sei die Zahl der Waren pro Einzelfall gesunken. "Eine Erklärung dafür könnte sein, dass Verkäufe vermehrt über das Internet abgewickelt werden und dass die Fälscher weniger Risiken eingehen und kleinere Sendungen vornehmen", hieß es in einer Erklärung der Kommission.

Fast zwei Drittel der Fälschungen stammten laut Kovacs aus China. Nachgemachte Kosmetik werde am häufigsten in der Türkei hergestellt. Die größte Anzahl gefälschter Pillen kam aus der Schweiz. Bei dem Schweizer Rekord handle es sich vermutlich um einen Einzelfall, erklärte John Taylor von der europäischen Generaldirektion für Zoll und Steuern.

So seien zwischen März und Mai 2007 rund 1,6 Millionen morphiumhaltige Pillen über die Grenze nach Deutschland gebracht worden. "Man darf den Schwerpunkt der Untersuchung nicht ausschließlich auf die Zahlen legen, denn die können von wenigen Einzelfällen beeinflusst werden", erläuterte Taylor.

Kovacs lobte die Zusammenarbeit von Zoll und Industrie. In Zukunft müssten die Herkunftsländer der gefälschten Waren stärker mit der EU kooperieren. Die Zusammenarbeit mit China sei schon besser geworden. "Gefälschte Produkte stellen auch eine wirtschaftliche Bedrohung dar, weil sie Firmen und Arbeitsplätze gefährden", erläuterte Kovacs. Zwar sei es sehr schwer festzustellen, wie viel Schaden weltweit durch Produktpiraterie entstehen, sagte Taylor. Studien gingen von mehreren Milliarden US-Dollar jährlich aus.

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