Warnung vor Quartalszahlen:Infineon redet sich selbst schlecht

- München - Schlechte Nachrichten werden von Unternehmen gerne hinter schmückenden Formulierungen versteckt. Der Münchner Halbleiter-Konzern Infineon hat nun das Gegenteil getan. Von Experten weitgehend als erwartungsgemäß eingestufte Zahlen zum ersten Quartal des neuen Geschäftsjahres wurden als Negativ-Meldung verbreitet. Und das gibt Rätsel auf.

<P>"Gewinnwarnung" wäre der übliche Begriff für das, was Infineon in der Nacht auf Donnerstag vermeldete: "Vorläufige Ergebnisse des ersten Quartals weisen Gewinn unter Analysten-Erwartungen aus", hieß es in der Überschrift einer Pressemitteilung. In dieser ist die Rede von negativen Einflüssen "durch den starken Verfall des Dollar-Kurses", von einem "Rückgang von Fabrikauslastung" und von "Anpassungen der Lagerbestände". Deshalb werde das Unternehmen voraussichtlich für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2004/05 Zahlen vorlegen müssen, die "unter den Markterwartungen liegen". Der Umsatz werde auf 1,82 Milliarden Euro und der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) auf 211 Millionen Euro taxiert. Der Gewinn enthalte eine einmalige Lizenzzahlung des asiatischen Unternehmens Promos von 118 Millionen Euro, nachdem ein Rechtsstreit beendet worden war.<BR><BR>Doch es gibt Indizien, dass der Markt gar nicht viel mehr erwartet hat. Zwar gab die Infineon-Aktie gestern zunächst nach, erholte sich aber schnell wieder und kletterte zeitweise über 1,5 Prozent auf etwa 7,60 Euro. "Ich bin von der Meldung ein bisschen überrascht, weil die Zahlen in etwa meinen Erwartungen entsprechen. Es gab auch Befürchtungen eines schlechteren Ergebnisses für den Mobilfunkbereich im Markt", sagte Günther Hollfelder, Analyst der HypoVereinsbank. Auch von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Analysten erkannten in den Infineon-Zahlen keine gravierenden Abweichungen von der allgemeinen Erwartung.<BR><BR>Umsatz und Ergebnis liegen deutlich über den Werten des entsprechenden Vorjahresquartals. Und die hatte der damalige Chef Ulrich Schumacher immerhin als "positiv" bezeichnet. Verglichen mit dem Vorquartal und bereinigt um die Promos-Einnahme gaben Umsatz und Gewinn zwar stark nach. Aber diese Entwicklung ist nicht allzu überraschend, nachdem Infineon-Chef Wolfgang Ziebart bereits verkündet hatte, dass man sich auf einen Branchen-Abschwung vorbereite. Statt eines Wachstums des Halbleitermarktes von etwa 25 Prozent wie im vergangenen Jahr rechnen Agenturen für 2005 mit einem Plus des Geschäfts von weniger als zehn Prozent.<BR><BR>Nach dem geplatzten Verkauf der Glasfaser-Aktivitäten verkündete Infineon innerhalb weniger Tage erneut eine negative Nachricht. Dies könnte nach Brancheneinschätzungen in einem besonders sorgsamen und vorsichtigen Umgang mit den Richtlinien zum Anlegerschutz liegen. Theoretisch wäre aber auch denkbar, dass harte Einschnitte - etwa beim Personal - bevorstehen, für die mit einer drastischen Darstellung der Unternehmenssituation der Boden bereitet werden soll.</P>

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