Warten auf den Freispruch

- Düsseldorf - Sechs Monate lang hat Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann im Mannesmann-Prozess auf der Anklagebank gesessen: Doch heute wird er das Düsseldorfer Landgericht nach der Urteilsverkündung wohl als unbescholtener Bürger verlassen. Nach 36 Verhandlungstagen gilt eine Verurteilung des mächtigsten deutschen Bankers und der mitangeklagten Top-Manager als äußerst unwahrscheinlich.

<P>Angeklagt sind im spektakulärsten Wirtschaftsstrafverfahren Deutschlands neben Ackermann der frühere Mannesmann-Vorstandsvorsitzende Klaus Esser, der ehemalige Aufsichtsratschef Joachim Funk, Ex-IG-Metall-Chef Klaus Zwickel und zwei weitere Mannesmann-Mitarbeiter. Gemeinsam sollen sie laut Anklage Anfang 2000 die 180 Milliarden Euro teure Übernahme von Mannesmann durch den Mobilfunkriesen Vodafone genutzt zu haben, um Managern und Ex-Vorständen des Unternehmens ungerechtfertigte Abfindungen in Höhe von rund 60 Millionen Euro zuzuschieben.<BR><BR>"Vorsätzlich griffen die Angeklagten in die Taschen der Mannesmann AG und warfen Millionen zum Fenster hinaus", rügte in seinem Schlussplädoyer Staatsanwalt Dirk Negenborn und forderte Haftstrafen bis zu drei Jahren wegen Untreue in einem besonders schweren Fall beziehungsweise Beihilfe dazu für die Angeklagten.<BR><BR>Doch mit einer Verurteilung rechnet trotz der markigen Worte des Staatsanwalts kaum noch jemand. Schließlich hat die Vorsitzende Richterin Brigitte Koppenhöfer bereits Ende März in einem Rechtsgespräch erklärt, sie sehe keine Belege für ein strafbares Handeln der Angeklagten. Und danach gab es keinerlei Hinweise auf einen Meinungswandel des Gerichts.<BR><BR>Allerdings: Es wird voraussichtlich kein strahlender Sieg für Ackermann und Co. sein. Denn bleibt das Gericht bei seiner Ende März dargelegten Rechtsauffassung, so wird die Kammer gleichzeitig darauf hinweisen, dass die Angeklagten bei der Genehmigung von Millionenprämien für die Mannesmann-Manager sehr wohl gegen aktienrechtliche Bestimmungen verstoßen haben - auch wenn dies strafrechtlich nicht von Belang sei.<BR><BR>Das wäre quasi ein "Freispruch zweiter Klasse". Und besonders unangenehm für Ackermann. Schließlich wird von einem Bankmanager besondere Zuverlässigkeit erwartet. Und darüber wacht die deutsche Bankenaufsicht. Die kann sogar einen Bankchef zum Rücktritt zwingen, wenn dieser "vorsätzlich oder leichtfertig" gegen Gesetzesbestimmungen verstößt. Aktuell hätte Ackermann zwar wohl auch bei einem solchen Urteil nichts zu befürchten. Denn die Bankenaufsicht will erst einmal abwarten, bis das Urteil rechtskräftig ist. "Auch für Herrn Ackermann gilt die Unschuldsvermutung", sagte eine Sprecherin der Behörde am Dienstag.<BR><BR>Doch könnte so der Schatten des spektakulärsten deutschen Wirtschaftsstrafverfahrens noch jahrelang über dem Banker liegen. Denn es gilt als sicher, dass die Staatsanwaltschaft im Fall einer Niederlage Revision beim Bundesgerichtshof in Karlsruhe beantragen wird. Das heißt, dass bis zu einem rechtskräftigen Urteil noch Jahre vergehen können.</P><P> </P>

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