Warum BMW es besser macht: Viel Lohn und gute Organisation

- München - Stellenabbau bei Opel, Nullrunden bei VW, Absatzrückgang bei Mercedes - die Autoindustrie kämpft. Umso mehr erstaunen die Meldungen von BMW: Wieder gaben die Münchner Autobauer ein Rekordquartal bekannt und kündigten den höchsten Jahresgewinn der Firmengeschichte an. Seit Herbst 2003 stellten sie über 2000 Mitarbeiter neu ein. Und BMW zahlt nicht nur Tarif - die Beschäftigten erhalten mehr als 15 Monatsgehälter im Jahr.

<P>Für den bayerischen IG-Metall-Chef Werner Neugebauer ein gutes Argument gegen Forderungen nach Lohnsenkungen. Entscheidend seien attraktive Produkte. Der Münchner Wirtschaftsprofessor Horst Wildemann erklärt, BMW habe sich auf Premium-Produkte konzentriert und die richtigen Modelle angeboten.</P><P>"Andere Hersteller müssen nebeneinander billige und teure Autos entwickeln - das erfordert natürlich einen größeren Aufwand", sagt BMW-Sprecher Linus Schmekel. <BR>Ein zweiter Grund für den Erfolg ist die Arbeits-Organisation. BMW-Chef Helmut Panke sagt: "Unsere Werke können mit der Nachfrage atmen, statt auf hohen Fixkosten zu sitzen." Wildemann bestätigt: "Die haben ihre Fabriken schon sehr früh nach neuen Erkenntnissen gestaltet." Andere machten das inzwischen auch, "aber die machen das exzellent". So laufen in Dingolfing 5er, 7er und 6er direkt hintereinander vom selben Band. Im Werksverbund können Produktionen je nach Nachfrage rasch umgesteuert werden. "Das ist ein Teil der Erfolgsstory", sagt Neugebauer.</P><P>BMW habe schon in den 80er-Jahren angefangen, die individuellen Arbeitszeiten von den Laufzeiten der Maschinen zu entkoppeln. "Die Werke können zwischen 80 und 140 Stunden pro Woche produzieren, ohne Einstellungen oder Entlassungen", erklärt Schmekel. Trotzdem gilt die 35-Stunden-Woche. Aber je nach Nachfrage kann der einzelne Arbeiter auch mal 30 oder 48 Stunden arbeiten. </P><P>Es sind bis zu 220 Unter- und Überstunden möglich, nur übers Jahr müsse das Konto ausgeglichen sein, wie Neugebauer sagt. BMW gibt die Arbeitszeit im Werk für einzelne Gruppen vor. In der Gruppe machten die Arbeiter dann untereinander aus, wer wann wie viel arbeite. Einen weiteren Grund für den BMW-Erfolg sieht Wildemann im Umgang mit den Zulieferern. "Nicht wie Lopez - die pflegen einen anderen Umgang, die haben die Entwicklungsleute der Zulieferer in ihre Entwicklungsteams integriert und nutzen deren Know-how."</P>

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