Warum der Euro nun schwächelt

- Frankfurt - Was wurde dem Euro nicht alles zugetraut: Ein Kursanstieg auf 1,50 oder gar 1,80 Dollar sagten Experten für dieses Jahr voraus. Doch der Trend zeigt in die andere Richtung. Seit ihrem Rekordhoch von 1,3668 Dollar am 30. Dezember hat die europäische Gemeinschaftswährung mehr als zehn Cent an Wert eingebüßt.

<P>"Das ist eine Entwicklung, die viele so nicht gesehen haben", sagt der Chefvolkswirt der Deka-Bank, Ulrich Kater. Derzeit pendelt der Euro um 1,26 Dollar - dem tiefsten Stand immerhin seit sieben Monaten.<BR><BR>Die Ursache für das vorläufige Ende des Euro-Höhenflugs sieht Kater in der überraschend schwachen Konjunktur der Euroländer. Auch BHF-Chefvolkswirt Uwe Angenendt sagt: "Die deutliche Wachstumsdelle im Frühjahr war nicht erwartet worden."<BR><BR>Der hohe Ölpreis und die schwache Binnennachfrage drücken trotz des anhaltenden Exportbooms das Wachstum in Deutschland, der größten Volkswirtschaft der Eurozone. Die sechs führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute halbierten deshalb ihre Prognose für das Wachstum des Bruttoinlandsproduktes in diesem Jahr auf 0,7 Prozent. Der Internationale Währungsfonds (IWF) sagt für die USA dagegen ein robustes Wachstum von 3,6 Prozent voraus.<BR><BR>Wegen der lahmen Konjunktur sieht die Europäische Zentralbank (EZB) derzeit keinen Spielraum für Zinserhöhungen. "Damit wächst der Zinsvorsprung der USA", sagt der Chefanalyst der Bremer Landesbank, Folker Hellmeyer. Das wiederum sorge für eine stabile Dollar-Nachfrage und stütze so die amerikanische Währung. Mit einem Zinsschritt der EZB rechnen die meisten Volkswirte frühestens zum Jahresende. Die US-Notenbank hat ihren Zinserhöhungskurs wegen der gut laufenden Konjunktur und wachsender Inflationsrisiken bereits vor knapp einem Jahr begonnen. Seither wurde der Leitzins acht Mal auf jetzt drei Prozent angehoben.<BR><BR>Der zunehmende Zinsabstand hat an den Finanzmärkten ein Thema verdrängt, das die Dollar-Schwäche vor einem Jahr ausgelöst hatte: das anhaltende Zwillingsdefizit in den USA. "Das Defizitproblem ist völlig zu Unrecht von der Agenda verschwunden", sagt Hellmeyer. Schließlich sei den USA weder in der Handelsbilanz noch im Staatshaushalt eine Kurskorrektur gelungen.<BR><BR>"Die USA konsumieren weiterhin mehr als sie produzieren", sagt auch DekaBank-Experte Kater. Nur mit ausländischem Kapital kann das gewaltige Finanzierungsloch gestopft werden, das sich allein in der Handelsbilanz zuletzt um 60 Milliarden Dollar pro Monat bewegte. Die Sorge vor einem Abbruch des Geldstroms aus dem Ausland hatte im vergangenen Jahr die Dollar-Schwäche ausgelöst.<BR><BR>Wegen des anhaltenden Doppeldefizits rechnet Hellmeyer über kurz oder lang deshalb auch mit einer neuen Euro-Rally. Spitzen von 1,40 oder 1,45 Dollar seien im zweiten Halbjahr durchaus möglich. Aus Sicht von Deka-Bank-Chefvolkswirt Kater dürfte auch die erwartete Konjunkturbelebung ab Sommer für einen teureren Euro sorgen. "Es geht im zweiten Halbjahr wieder aufwärts - auch für den Euro."<BR></P>

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