Warum die gefühlte Inflation so viel höher ist als die amtliche

- Das Glas Bier, der Schoppen Wein im Lokal fast doppelt so teuer wie vor der Euro-Bargeldeinführung. Und der tägliche Einkauf leert das Portemonnaie. Viele Bürger klagen, dass das Leben teurer wurde, und können dies mit selbst erlebten Beispielen belegen. Dennoch ist die amtliche Teuerungsrate 2003 die niedrigste seit 1999. Ein klarer Fall von Statistik-Unsinn?

<P>Die "gefühlte Inflation" der Verbraucher ist deutlich höher als die gemessene. Das liegt daran, dass sie für viele Dinge des täglichen Lebens tatsächlich mehr bezahlen müssen, große Ausgabenposten, wie etwa die Miete, dagegen nicht gestiegen sind. "Seit der Euro-Bargeldeinführung hat es nur eine moderate Teuerung gegeben", sagt Nadin Engelhardt, Referentin für Verbraucherpreise beim Statistischen Bundesamt in Wiesbaden. </P><P>Ein bedeutender Teil der Kosten eines Durchschnittshaushaltes blieb konstant oder wies rückläufige Preisentwicklungen auf: So wirkte der größte Kostenpunkt im Warenkorb - Wohnung, Wasser und Haushaltsenergie - mit 0,6 Prozent Jahresteuerung (November 2002) preishemmend, steht in der Studie "Ein Jahr Euro - ein Jahr Teuro?" des Statistik-Amtes. Eine Reihe von Waren, darunter langlebige Gebrauchsgüter und Computer, wiesen rückläufige Preise auf. Da aber diese Güter beim täglichen Einkauf keine Rolle spielen, werden Preissenkungen vom Verbraucher weniger wahrgenommen, als wenn der Kopfsalat oder die Semmel teurer wird.</P><P>Überdurchschnittliche Preiserhöhungen gab es dagegen bei Dienstleistungen und anderen Gütern des täglichen Bedarfs. Hier spiegelt sich die Wahrnehmung der Verbraucher in den amtlichen Zahlen wider: "Die Verteuerung bei Dienstleistungen liegt von der Chemischen Reinigung über die Schuhreparatur bis hin zum Restaurantbesuch bei überdurchschnittlichen 3 bis 6 Prozent." Vor allem im Januar 2002 habe es außergewöhnliche Preiserhöhungen gegeben. Engelhardt nennt weiter: Kinobesuch, Friseur, Auto-Wäsche und das Bier in der Kneipe. Bei keiner der untersuchten Dienstleistungen ist laut der Studie der Preisschub vom Januar rückgängig gemacht worden.</P><P>Natürlich hat das individuelle Verhalten auch eine große Bedeutung: Denjenigen, der viele Kilometer mit dem Auto zurücklegt, trifft eine Benzinpreiserhöhung weit stärker als den Gelegenheitsfahrer, der den teureren Sprit vielleicht gar nicht wahrnimmt.<BR>Der Verbraucherpreisindex wird monatlich in 190 Gemeinden bei 40 000 Geschäften und Dienstleistern in ganz Deutschland ermittelt. Dabei werden zirka 350 000 Einzelpreise für die 750 Waren und Dienstleistungen erhoben. Dieser Warenkorb wird alle fünf Jahre neu zusammengestellt, um den geänderten Konsumgewohnheiten Rechnung zu tragen. Dazu gibt es Stichproben in 62 000 Haushalten.</P><P>Von den Gesamtlebenshaltungskosten schlägt seit langem die Gruppe "Wohnung, Wasser, Strom, Gas und andere Brennstoffe" mit 30,3 Prozent am heftigsten ins Haushaltsbudget.</P><P>Zweitgrößter Ausgabeposten ist "Verkehr" mit 13,9 Prozent. Darunter fallen Kauf und Unterhalt des Autos, Kosten für Bus und Bahn sowie Reisen. 11 Prozent geben die Bürger im Schnitt für Freizeit, Unterhaltung und Kultur, 10,3 Prozent für Lebensmittel und alkoholfreie Getränke aus. Hotel- und Gaststättenbesuche kosten den Haushalt 4,7 Prozent. Für Bildung geben die Bundesbürger im Schnitt nur 0,7 Prozent ihres Geldes aus.</P><P>Die Statistiker berücksichtigen bei der Gewichtung des Warenkorbs auch, dass eine Waschmaschine oder ein Kühlschrank nur alle zehn bis 15 Jahre gekauft wird, Milch und Brot dagegen fast täglich. So verschlingt im Jahresdurchschnitt das Brot 1,7 Prozent des Budgets. Der Jahresetat für sämtliche Haushaltsgeräte einschließlich Waschmaschinenreparatur beträgt dagegen nur 1,1 Prozent. <BR></P>

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