"Warum macht Rupert Murdoch das?"

München - Das Comeback von Rupert Murdoch bei Premiere lässt die Fernsehbranche rätseln: Welche Pläne verfolgt der Medienzar? Die Absicht zur Komplettübernahme des Münchner Bezahlsenders wird ihm ebenso zugetraut wie eine Rolle als Strohmann von Leo Kirch.

Rund um den Globus hat Rupert Murdoch in den vergangenen 50 Jahren die Medienmärkte aufgerollt - nur in Deutschland wollte es für den gebürtigen Australier nie so recht laufen. Anfang der 90er-Jahre scheiterte er mit dem Versuch, mit Hilfe des Münchner Burda-Verlags die ostdeutsche Boulevard-Zeitung "Super" zu etablieren. Zehn Jahre später verlor der 76-Jährige rund 1,7 Milliarden Euro, als das Fernseh-Imperium von Leo Kirch zusammenbrach. Damals gehörte ihm ein Fünftel des Pay-TV-Senders Premiere.

Beide Flops haben Rupert Murdoch nicht entmutigt: Erneut versucht der Medienunternehmer jetzt, einen Fuß auf den deutschen Markt zu bekommen. Und erneut hat er sich den - längst sanierten - Bezahlkanal Premiere ausgesucht, den er "von früher noch in- und auswendig kennt", wie Beobachter sagen. Knapp 15 Prozent der Aktien übernimmt Murdochs News Corp. vom Kabelnetzbetreiber Unitymedia in Köln und zahlt dafür 290 Millionen Euro. Damit steigt er mit einem Schlag zum größten Einzelaktionär auf.

Die Rückkehr des umstrittenen Managers, dem immer wieder Sparwut und das Ausnutzen seiner Medienmacht vorgeworfen wird, sorgt für Aufregung. An der Frankfurter Börse schoss das Premiere-Papier am Dienstag nochmal um zeitweise über sieben Prozent nach oben. Aber mindestens ebenso stark wie das Kursfeuerwerk treibt die Branche die Frage nach Murdochs eigentlichem Vorhaben um: "Es macht kaum Sinn, 15 Prozent zu kaufen, einen derart hohen Preis dafür zu zahlen und es dann dabei zu belassen", sagt Friedrich Schellmoser, Medienanalyst bei der Unicredit-Gruppe in München. "Die Frage ist: Warum macht Murdoch das?"

Der Medienmogul und Premiere geben sich bedeckt. Viele Beobachter erwarten jedoch, dass sich der Unternehmer nach und nach die Mehrheit an dem Münchner Sender sichern will, um sie in sein Imperium (siehe Kasten) zu integrieren. Der momentane Anteil ist dafür laut Michael Bahlmann von der Privatbank M. M. Warburg in Hamburg aber zu gering. Der Kauf weiterer Aktien durch Murdoch sei also durchaus wahrscheinlich. Ähnlich äußern sich die Branchenkenner der Credit Suisse.

Strategisch macht das Sinn: Bezahlfernsehen ist eines der Standbeine von News Corp, mit BSkyB ist der Konzern unter anderem in Großbritannien, den USA und Italien vertreten. Premiere als Marktführer in Deutschland und Österreich würde sich gut in das Netz einfügen, zudem wären dann die Premiere-Türen für die Konkurrenz verschlossen. Doch der Konzern lehnt den Kauf weiterer Anteile offiziell ab. Börsianer halten das allerdings nur für Störfeuer, mit dem das Unternehmen einen weiteren Anstieg des Aktienkurses verhindern will. Der würde den Einstieg für Murdoch deutlich verteuern.

Über ein ganz anderes Motiv für den Premiere-Handel spekuliert Unicredit-Mann Friedrich Schellmoser. Murdoch könne auch als "Strohmann" für einen Dritten die Aktien erworben haben, etwa Leo Kirch. "Der wollte schon immer die Mehrheit an Premiere zurückerlangen", sagt Schellmoser. Aus dem Umfeld von Kirch ist allerdings anderes zu hören.Leo Kirch habe derzeit mit dem Handel der Bundesligarechte genug zu tun, erklärt ein Sprecher. "Außerdem würde sich Rupert niemals als Strohmann hergeben."

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