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Nur in Südamerika baute VW schwere Nutzfahrzeuge. Das übernimmt nun MAN.

Nutzfahrzeuge

Warum MAN nun Volks-Lkw baut

München - Schwere Lastzüge von Volkswagen gibt es nur aus Südamerika. Die tragen auch künftig das Zeichen von VW, gehören aber nun zum MAN-Konzern, der so seine Basis für künftige Fusionen stärkt.

Rund 47 000 große Trucks fertigt VW Trucks & Bus in Resende (Brasilien). Für einen Autokonzern, der bei den Pkw an die Weltspitze strebt, ist das bedeutungslos. Doch 47 000 zusätzliche Fahrzeuge sind für MAN, den neuen Eigner von VW Trucks & Bus, rund 50 Prozent zusätzliche Produktion und damit ein dicker Brocken. Doch nicht nur wegen der Stückzahlen passt die ungeliebte VW-Tochter zur MAN-Strategie. Der Konzern hat vor allem Schwellenländer strategisch ins Visier genommen. Zuerst sind das die BRIC-Länder (Brasilien, Russland, Indien und China).

  • In China verhandeln die Münchner noch.
  • In Indien haben sie ihre Position im Rahmen eines Joint Ventures gerade erst ausgebaut.
  • Russland wird vom neuen Werk bei Krakau (Polen) beliefert.
  • Nur in Brasilien tat sich bisher nichts. Doch dort bekommt MAN für 1,175 Milliarden Euro Kaufpreis den Marktführer geliefert. Und gleichzeitig ein kleines Standbein in Afrika, einem Markt, den der Konzern bislang von Indien aus beliefern wollte. Weil VW in Südafrika auch eine kleine Lkw-Produktion unterhält, werden dort wohl beide Marken präsent sein.
    Sicher ist bislang, dass VW als eigene Truck-Marke erhalten bleibt. So wird die "Trucks & Bus" nicht in die starke Nutzfahrzeug-Tochter von MAN eingegliedert, sondern als eigenständige Tochter unter dem Dach des MAN-Konzerns geführt.

Ein weiterer Vorteil des Zukaufs für MAN: In Europa wetteifert der Konzern mit Scania um die Vorherrschaft im Premium-Segment. Die BRIC-Staaten brauchen aber robuste und preisgünstige Fahrzeuge wie die Volkswagen-Laster aus Brasilien. Der bisherige Kunstgriff von MAN, für diese Märkte etwas ältere Modelle zu verkaufen, ist nun nicht mehr nötig, weil nun speziell für den Bedarf von Schwellenländern zugeschnittene Fahrzeuge im Programm sind.
Dazu kommen die Synergie-Effekte. Das, was Lkw teuer macht - Kabinen, Motoren, Getriebe und Achsen - muss spätestens für die nächsten Nutzfahrzeug-Generationen im Konzern nur noch einmal entwickelt werden.

Ob aber ein Bündnis von MAN und Scania nun näherrückt, wie zahlreiche Analysten vermuten, ist keineswegs sicher. Zwar hätte die MAN-als Holding mit zwei Lkw-Töchtern sicherlich Platz für eine dritte. Doch diese Variante dürfte an den Schweden scheitern, die sich bisher mit allen Mitteln gegen eine Übernahme durch MAN wehrten.

Ein Dreier-Bündnis wäre nur möglich, wenn die Nutzfahrzeug-Aktivitäten aus dem MAN-Konzern gelöst und mit Scania unters Dach von VW oder der Porsche Holding eingebracht werden. Damit blieben für MAN nur die hochprofitablen Sparten (Groß-)Diesel-Motoren und Turbomaschinen übrig. Dafür spricht, dass die Umrüstung von Lkw-Dieselmotoren für Boote und kleine Schiffe von MAN-Nutzfahrzeuge auf MAN Diesel verlagert wurde. Damit wurde die größte Konzernsparte noch stärker auf den Fahrzeugbau zugeschnitten.

Dagegen spricht, dass der MAN-Großaktionär VW auf die Ertragsperlen verzichten müsste, um im Rahmen eines Tauschgeschäfts die Mehrheit bei den Nutzfahrzeugen zu bekommen. Es ist auch denkbar, dass VW und MAN versuchen, Scania zum gemeinsamen Einkauf und zur gemeinsamen Entwicklung von Lkw-Komponenten zu bewegen. Damit spart man sich neben Kosten auch die Reibungsverluste einer erzwungenen Fusion.

Martin Prem

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