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Das künftige Raumschiff Orion mit zylindrischem Versorgungsmodul, das seine Abstammung aus dem europäischen Versorgungsraumschiff ATV gar nicht zu verbergen sucht.  

Zurück zur bemannten Raumfahrt?

Warum die NASA Hilfe aus Europa braucht

München – Europäische Spitzentechnik soll den USA die Rückkehr zur bemannten Raumfahrt ermöglichen. Eigene Ambitionen in diese Richtung haben die Europäer dagegen eingestellt.

Es lief alles so, wie es sich für eine Vertragsunterzeichnung gehört: Die Luft- und Raumfahrtkoordinatorin der Bundesregierung Brigitte Zypries unterschrieb auf der einen Seite, der Airbus-Standortleiter Bremen Bart Reijnen auf der anderen. Normalerweise eine Formalität. Diesmal war es ein Meilenstein. Denn nun hat Airbus schriftlich, was noch vor wenigen Jahren völlig undenkbar war: Der europäische Konzern leistet massive Entwicklungshilfe für das wichtigste Prestigeprojekt der zukünftigen amerikanischen Raumfahrt.

Das Raumschiff Orion soll amerikanische und diesmal auch europäische Astronauten zunächst zum Mond bringe. Später könnte es Asteroiden auch jenseits des Erdtrabanten ansteuern. Mit ihm könnten schließlich auch die ersten Menschen in Richtung Mars vorstoßen. Damit kann die US-Raumfahrtbehörde NASA wieder daran anknüpfen, wo sie mit dem Auslaufen des Apollo-Programms 1972 aufgehört hatte: Bemannte Forschungsmissionen bis zum Mond und nun auch darüberhinaus.

Was aber ist neu an der europäischen Entwicklungshilfe? Die NASA konnte schon in der Vergangenheit – beispielsweise auf Triebwerke aus München/Ottobrunn gar nicht verzichten. Sie kaufte sie nur, ohne viel Aufhebens davon zu machen. Doch internationale Partnerschaften auf Augenhöhe hat man gemieden, denn Raumfahrt – zumal mit möglichem militärischem Zusatznutzen – war in den USA nationale Ehrensache.

Das hat sich geändert. Die NASA hat in den letzten Jahren genau registriert, mit welcher Präzision die fünf in Bremen gebauten europäischen ATV-Weltraumfrachter jedesmal vollautomatisch an der internationalen Raumstation ISS andocken konnten – obwohl Andockmanöver mit Frachtern dieser Größe bei der Konstruktion der ISS gar nicht vorgesehen waren. Und die ATV – das Kürzel steht für Automated Transfer-Vehicle – meisterten auch die Aufgabe, mit ihrem Raketentriebwerk die Umlaufbahn der Raumstation zu korrigieren und zu stabilisieren.

Das ATV hatte so ziemlich alles an Bord, was man brauchte, um ein Raumschiff im Weltall anzutreiben und mit allem lebensnotwendigen zu versorgen – also was der NASA für ein neues Raumschiff für weitreichende Missionen ins Weltall noch fehlte.

Das war kein Zufall, denn insgeheim bastelten die Europäer schon längst an einem eigenen bemannten Zugang zum Weltraum. Die europäische Trägerrakete Ariane 5 war von Anfang an dafür ausgelegt. Und das ATV war als erster Zwischenschritt zu diesem Ziel gedacht. Der Raumtransporter war noch ein Einweg-Raumschiff. Er konnte Güter zur ISS bringen und gefüllt mit Abfällen aus der Raumstation diese in Richtung Erde verlassen. Dabei verglühten die fünf ATV mitsamt dem aufgesammelten Müll beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre.

Doch auf den Entwicklungscomputern in Bremen nahm bereits der nächste Schritt Gestalt an, das Automated Return Vehicle (ARV) – ausgestattet mit Hitzeschild. Dieses Raumschiff hätte dann beispielsweise Fracht und Experimente sicher zur Erdoberfläche zurückbringen können.

Weitergegangen wäre es mit dem Crew Transport Vehicle (CTV), das Astronauten zur ISS und auch wieder zurück zur Erde hätte bringen können. Von diesem Raumschiff, wäre es nur noch ein kleiner Schritt zu einem vollwertigen europäischen Raumtransporter gewesen.

Doch nun kam die NASA auf die Europäer zu – mit dem Vorschlag, gemeinsame Sache zu machen. Erstmals entwickeln beide Seiten miteinander. Airbus Defence and Space liefert das aus dem ATV weiterentwickelte Versorgungsmodul, der US-Konzern Lockheed Martin Space Systems die Raumkapsel für vier oder mehr Astronauten.

Die europäischen Regierungen, und die Raumfahrtagentur ESA stoppten daraufhin alle ehrgeizigen eigenen Planungen. Europa verzichtet damit darauf, eigenständig Astronauten in den Weltraum zu schicken. Doch umgekehrt lassen sich gemeinsam langfristig Milliardensummen einsparen. Außerdem dürfte nun alles schneller gehen. Schon bisher war das Tauziehen um Geld und Arbeitsanteile der einzelnen beteiligten Länder die Achillesferse der europäischen Raumfahrtpolitik. Auch das Projekt Galileo wurde dadurch um viele Jahre verzögert und wäre um ein Haar sogar daran gescheitert.

„Es ist das erste Mal, dass Europa mit systemkritischen Elementen in ein amerikanisches Raumfahrt-Projekt integriert wird“, umschrieb Airbus die neue Zusammenarbeit, will aber nicht Juniorpartner sein „Durch dieses Programm und durch unsere kontinuierlichen Investitionen sichern wir unseren technologischen Vorsprung.“, sagte François Auque, der Raumfahrt-Chef von Airbus.

Der Zeitplan, den die ESA für den 390-Millionen-Euro-Auftrag vorgibt, ist straff: Ab heuer, während noch um konkrete Pläne gerungen wird, entsteht in Bremen bereits die erste Hardware. Im November 2015 will die ESA die Pläne für das Versorgungsmodul im Detail freigeben. Schon 2017 oder 2018 soll Orion den ersten Flug zum Mond antreten – noch ohne Menschen an Bord. Das Raumschiff soll Punkte ansteuern, bei denen die Anziehnungskräfte von Mond und Erde sich aufheben, um dann zur Erde zurückzukehren. Ab 2020 kann Orion zu bemannten Missionen starten.

Martin Prem

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